Hallo!

Viel Spaß beim Lesen meiner Geschichten!

12 Juli 2010

Geschwafel

Ach, Gottchen. Diese Hitze. Stolze 40°C waren es heute tagsüber. Dienstags soll es ja wieder ein wenig abkühlen. Und an meinem Geburtstag am Mittwoch sind es wieder 30°C, na das kann ja was werden!
Nun, unser Wunsch, dass der Winter endlich ein Ende nehme, ist allen Anschein nach erfüllt worden. Herzlich Willkommen globale Erderwärmung!
Im Momente leide ich an chronischer Lustlosigkeit. Aber wer tut das nicht bei diesen Temperaturen? Am liebsten würde ich den ganzen Tag in dem schönen, kühlen Keller vor mich hin dösen. Oder den ganzen Tag unter der Dusche stehen. Das wäre auch eine nette Alternative, aber das wäre, glaube ich, nicht unbedingt förderlich für geringe Wasserkosten.
Am Wochenende war ich in Berlin, deshalb kam leider nichts neues, obwohl ich im Moment quasi überlaufe vor Ideen. Zwar sind nicht alle es Wert, auch aufs Papier gebracht zu werden aber einige schon, denke ich zumindest. An sich war das Wochenende wundervoll, aber leider stellte sich schnell heraus, dass es Begleiterscheinungen aufwies. Nun ja. Heißt es nicht Nehmen und Geben. Für alles muss man bezahlen. Selbst für ein schönes Wochenende. Doch ich bin der Meinung, dass es eindeutig überteuert war. Aber naja, Berlin ist nun mal die Hauptstadt. Da muss man anscheinend mit Wucher rechnen. Der Preis für diese zwei Tage lag bei stolzen 29 Mückenstichen. Toppt das mal!. Es juckt wirklich überall! Aber zum glück gibt es kühlendes Fenistilgel. Ansonsten würde ich mich, glaube ich, wie ein Tier im Schlamm wälzen. Sähe bestimmt lustig aus.
Hach, ich beginne schon wieder zu schwafeln und über Gott und die Welt zu reden, dabei wollte ich eigentlich eine Geschichte schreiben. Aber naja, man muss auch mal spontan sein. Und wenn ihr die Geschichte lesen wollt müsst ihr diesen Text nun mal mitlesen. Zumindest dieses Mal, denn ich werde irgendwann, wenn ich den Drang dazu verspüre, ohne Absatz und total Übergangslos, mit meiner Geschichte anfangen. Ja, das Überraschungsmoment, war schon immer ein sehr wertvolles und wichtiges Bestandteil. Tue immer etwas unerwartetes! Verwirr deine Gegner!
Ja, es ist in der Tat viel zu heiß. Da wird man ganz kirre!  Dass merkt man unteranderem, wenn man diesen sinnlosen Text ohne Raffinessen und Inhalt liest. Und wie anspruchsvoll er doch ist! Applaus, Applaus! Das ist so schön, die ganzen Wörter, die mir Tagsüber so durchs Köpfchen schwirren einfach mal festzuhalten. Ohne darüber nachzudenken. Manche von euch werden sich jetzt Fragen warum ich diesen Text niederschreibe. Die Antwort ist ganz einfach: Weil es MEIN Blog ist und hier veröffentliche ICH, was ICH will. Und wenn ihr MEINE Geschichten lesen wollt müsst ihr wohl oder übel, dieses uninteressante Zeug lesen. Ja ja, die Welt ist schon grausam. Aber was will man machen! So war es und so wird es immer sein. Jeder wird irgendwann einmal unterdrückt. Diesmal sitze ich am längeren Hebel. Nun theoretisch gesehen könntet ihr oben auf das niedliche, rote X klicken und diesen Blog schließen, aber das wäre ja langweilig. Vergesst das am besten ganz schnell wieder! Ist eine doofe Idee. Wo bleibt denn da der Spaß? Seht es als Herausforderung! Wenn ihr es schafft diesen Text zu Ende zu lesen, dann bekommt ihr zwar nichts, aber ihr könnt stolz von euch behaupten, dass ihr es geschafft habt. Das ist auch mal was! Weniger ist manchmal mehr! Die kleinen Dinge machen das Leben lebenswert, nicht wahr meine Lieben?
Hier kommt sogar ein Witz. Also passt auf: Was ist blau, lebt 10 Meter unter der Erde und frisst Steine? Na, wisst ihrs? Na los, ist doch gar nicht so schwer. Einfach ein bisschen drüber nachdenken. Oder ich sag‘s euch einfach. Trommelwirbel bitte: Ein blauer, zehn-Meter-unter-der-Erde lebender Steinfresser!
Na seht ihr war doch ganz einfach oder? Hach sind wir heute wieder komisch. Und nun reden wir auch noch im Plural von uns. Wir werden doch wohl nicht schizophren, Fräulein Ruppert?
Ist ja schon ein ganz schönes Stück Text hier. Ich bin beinahe schon stolz. Aber auch nur beinahe. Ich habe heute das Lied "Hier kommt Kurt" von Frank Zander gehört. Wollt ich nur mal gesagt haben. Damit ihr's wisst. Ist unglaublich spannend nicht wahr? Ich mag das Kostüm aus dem Video. Und noch mehr unnütze Informationen, herrlich! Ich schmeiße damit geradezu um mich!
So, das war eindeutig genug zu meiner Person. Ich könnte jetzt mit der Geschichte anfangen. Ich KÖNNTE, muss ich aber nicht. Denn ich bin die Autorin dieses Textes. Ich habe die Macht! Oh je und größenwahnsinnig bin ich auch. Welch eine Kombination. Geschichte, deine Meisterin befiehlt dir zu erscheinen:
Geschichte: Er versprach ihr, damals in der wehen Stunde ihrer Trennung, dass sie sich, wenn des Maies erste Morgenröte erscheine, wiedersehen würden. Er versprach es und sie, so naiv und so gutmütig, glaubte es ihm. Voller freudiger Erwartungen, sehnte sie sich nach ihrem baldigen Aufeinandertreffen. Allein der Gedanke daran, erquickte ihr Herz auf eine Weise, die nur er herzuführen vermochte. Denn er war derjenige, den sie begehrte. Er war derjenige, nachdem sie sich, seit jener zweisamen Nacht sehnte.
Seine Worte, so süß wie der Gesang einer Nachtigall, vermochten es sie immer aufs Neue, da hinschmelzen zu lassen.
Sie lauschte ihm voller Entzücken und glaubte all seine Versprechungen. Sie glaubte dem edlen Ritter, weil sie ihn liebte. Seit der Nacht im Walde, gehörte ihm ihr Herz. Und er erkor auch sie damals zu seiner Herzdame, so glaubte sie. Doch noch war es ein Geheimnis, das sie beide hüteten. Es verband sie. Er wollte in sein Heimatdorfe zurückkehren um alles für die baldige Vermählung vorzubereiten, so sagte er es ihr. Und so glaubte sie. Und heute, wenn das warme Licht der Sonne, die erste Mainacht vertrieb, würde er zu ihr zurückkehren. So glaubte sie. Sie stand auf ihrem Balkon und blickte über das Land. Erwartungsvoll, immer Richtung Norden schauend, wartete sie auf seine Ankunft.
Sie wartete auf ihren Verlobten, und sie hoffte, dass all das Warten, nicht vergebens sei.
Sie fror, nur in ihrem Seidennachtkleid stand sie hier auf dem Balkon. Es war noch Nachts, nicht einmal, das zarte Licht der Morgendämmerung, die das baldige Erscheinen der Sonne ankündigte, war eingetreten. Doch egal wie sehr sie sich dazu bewegen wollte, noch einmal, sei es auch nur für wenige Stunden, in die wogenden Arme des Schlafes zu gleiten, es gelang nicht. Zu aufgeregt war sie. Nicht einmal der werte Herr Papa, wusste von der heimlichen Verlobung, und heute würde ihr Ritter bei ihrem Vater um ihre Hand anhalten. Und der Herr des Hauses würde voller Stolz seine Einwilligung geben. So glaubte sie.
Er konnte nicht anders. Reich und erhaben war er, doch das war nicht der einzige Grund, wieso ihr Vater zustimmen musste. Wenn doch der Andere, viel ausschlaggebender und erfreulicher war. Ihre Liebe hatte schon nach dem ersten Beischlaf Früchte getragen. In jener Nacht, als er ihre Unschuld nahm, still und heimlich in dem Wäldchen, ganz nah. In jener Nacht hatte er ihr auch ein Geschenk gemacht. Zwei Monate so sagte er, verbrachte er in dem anderen Königreich. Und sie wartete auf ihn, voller Hoffnungen rannte sie, seit seinem Aufbruch, Tag für Tag nach dem Erwachen zu ihrer Magd um nach einem Briefe ihres Ritters zu Fragen. So süße Zeilen, vermochte nur er aufs Papier zu bringen, da sie aus seinem Herzen kamen, so glaubte sie. Mit jedem Brief verliebte sie sich mehr und mehr in ihn. Doch nach einer Zeit blieben die geliebten Briefe zu ihrem großen Bedauern aus. Er war zu sehr mit den Hochzeitsvorbereitungen beschäftigt, so glaubte sie.
Ihre Magd war die Einzige Unbeteiligte, die von dieser Nacht wusste. Es wäre ohnehin unvermeidbar gewesen. Spätestens als das Blut, dass hätte an ihren weißen Schenkeln herunterlaufen sollen, nicht kam, hätte ihre Magd, und mittlerweile auch treue Freundin, davon erfahren.
Sie stand auf ihrem Balkon und wartete auf ihren Verlobten, bereits zu so früher Stund. Als Fremder kam er in ihr Dorf und eroberte das Herz eines jeden Weibes im Sturm, doch entschieden hatte er sich für sie. So glaubte sie zumindest. Das schönste Kind im Dorfe, jung und unberührt. Sie wartete auf ihn den ganzen Tag. Die Mittagsstunde war bereits eingetreten und er kam nicht. Sie wartete. Tage, Monate, doch er kam nicht.
Und erst nun erkannte sie, dass jene Nacht ihr junges Leben zerstört hatte. Blind vor Naivität der Jugend, hatte sie sich ins Unglück gestürzt. Sie hatte sich von ihm so berühren lassen, wie es sich nur für den Ehegatten geziemt. Und nun bereute sie. Nun wurde ihr klar, dass sie nicht seine Herzdame, die Auserwählte war, sonder die naive Jungfer, die sich ein säuseln lies, durch seine Lügen und sich ihm hingab. Dies wusste sie. Die, die dann vergebens auf ihn wartete. Ohne Liebe hatte er sie berührte und ihr mehr genommen als nur die Chance auf eine glückliche Ehe. Nicht nur ihre Kindlichkeit, Naivität und Unschuld, sondern den Glauben an die wahre Liebe. Das Kind, das sie von nun an immer an ihre Sünde der Jungend, an ihre einzige Liebe erinnern sollte, erblickte das Licht der Welt und die Jahre zogen ins Land. Ihre Schönheit verflog und ihr damals so lieblich Anlitz erstarrte im Tode zu einer Maske der Verbitterung.

08 Juli 2010

Die da draußen

Die Idee für diesen Text kam ganz spontan, gestern Abend im Bett. Ich konnte nicht einschlafen und habe meine Gedanken schwelgen lassen und nun habe ich auch wieder ein dutzend Ideen. Naja lest und seht woran ich Abends vor dem Einschlafen so denke.


Ich wachte auf. Wie viele Tage war ich hier nun schon? Ein? Zwei? Oder doch schon eine Woche? Der Raum war ganz weiß, komplett steril. In der Ecke lag eine Matratze und die Wände waren gepolstert. Sonst war hier nichts. Nichts, außer mir und ihr natürlich.
Und noch jemand war da. Ich sah sie zwar nicht aber ich wusste, dass sie da waren. Nicht in dem Raum. Davor. Draußen.
Die da draußen hatten mich mir ihr, hier rein gesperrt und beobachteten mich. Die da draußen hatten mich in diese Jacke gesteckt, sodass ich mich nicht gegen sie wehren konnte.
Die da draußen konnten keine Menschen sein. Nein. Zu so etwas grausamen konnten Menschen doch nicht in der Lage sein.
Das waren Monster, Aliens aus fremden Galaxien. Menschen waren zu so etwas schrecklichem nicht in der Lage. Das konnte einfach nicht sein. Ich war schließlich selbst ein Mensch. Warum hatten die da draußen mich hier eingesperrt? Und dann auch noch mit ihr? Sie beobachteten mich das wusste ich, aber wieso? Amüsierten sie sich? Ergötzten sie sich an meinem Leid?
Es war alles schon schlimm genug, bevor ich hier in diesem Raum war, mit gefesselten Armen. Da draußen in meinem normalen Leben, hat sie mir immer aufgelauert. Hat mir gedroht, mich gejagt und wenn sie mich bekam schlug sie mich und lachte mich aus. Aber dort konnte ich mich wehren. Ich konnte wegrennen.
Aber hier. Hier war ich ihr ausgeliefert. Hier musste ich alles, jede Pein, über mich ergehen lassen. Und die da draußen sahen zu.
Durch den Schlitz in der Tür wurde Essen hinein geschoben. Sie waren Krank! Sie sorgten dafür, dass ich nicht verhungerte oder verdurstete. Damit ich länger aushielt. Damit sie mich länger quälen konnte.
Ich wollte das nicht mit mir machen lassen. Ich wollte verhungern. Aber mein Magen trieb mich immer wieder dazu, über das Tablett herzufallen wie ein Tier.
Was war ich? War ich ein Versuchskaninchen? Teil einer Kranken Reality-Show? Oder hielten die da draußen mich als ihr Haustier und kamen, wenn sie Langeweile hatten.
Ich schlang mein Essen herrunter. Schnell solange sie noch schlief. Wenn sie schlief, verschwand sie einfach. Wahrscheinlich, holten die da draußen sie hier raus. Damit sie nicht verrückt wurde. Oder sie versteckte sich. Um mich in Sicherheit zu wiegen. Aber das funktionierte nicht. Denn ich wusste, dass sie wieder auftauchen würde.
Mit dieser verdammten Jacke musste ich mich wirklich wie ein Tier über den Teller beugen. Als ich fertig mit dem Essen war, war mein ganzes Gesicht verschmiert. Ich kroch zurück auf die Matratze. Gleich würde sie kommen. Und die da draußen würden uns beobachten. Ich machte mich ganz klein.
Und wartete. Und wartete. Und wartete.
Und sie kam. Wie ich sie hasste. Dieses Mädchen. Warum nur ich? Wieso quälte sie mich, und nicht jemand anderen? Sie stand in der anderen Ecke des Raumes. Noch weit entfernt. Aber sie kam näher. Ihr eines Bein zog sie unnatürlich hinterher. Als sei es gebrochen. Sie war blass, ihre Haut war beinahe schon durchscheinend. Überall hatte sie Wunden und Kratzer und ihre Blöße wurde nur durch ein zerrissenes, schmutziges, graues Kleid bedeckt, das einst wahrscheinlich weiß gewesen war. Ihr langes Schwarzes Haar hing bis zu den Knospengroßen Hügeln, die ihre kindlichen Busen darstellten. Das Mädchen war geschunden, doch das schlimmste war ihr Blick.
Er war wirr, voller Hass und Neid auf alles was lebte. Und immer, immer wieder verzog sie die rissigen Lippen, wobei diese aufplatzten und zu bluten begannen, zu einem hämischen Grimasse. Der Anblick war furchtbar. Sie sprach nie. Das musste sie nicht. Ich wusste auch so was sie wollte.
Sie kam immer näher. Ich konnte nichts tun. Konnte nicht wegrennen. Konnte nicht um mich schlagen. Ich konnte nur hier in der Ecke sitzen, die Augen schließen, mich zusammenrollen und auf sie, und die damit verbundenen Schmerzen und Ängste, warten.
Und das tat ich. Eine ganze Weile. Ich hörte ihren röchelnden Atem, als bekäme sie schlecht Luft. Sie musste genau vor mir sein. Langsam und vorsichtig hob ich den Blick. Dort stand sie. Sie sah auf mich herab. Grinste mich an, mit Blut am Kinn. Langsam hob sie eine Hand. Sie streckte sie nach mir aus. Gleich würde sie mich schlagen. Ich zog den Kopf ein. Doch, der Schlag kam nicht
Ich sah wieder hoch. Ruckartig, legte ihre kleine Kinderhand direkt auf mein Gesicht. Sie war eiskalt. Und die Kälte zog sich durch jeden Faser meines Körpers. Mit einem Mal spürte ich all ihre Empfindungen. Angst, Enttäuschung und Verbitterung. Und am schlimmsten war der Zorn. Der reine Blinde Zorn auf alles Lebende. Nur Kinder waren in der Lage bedingungslos zu Hassen und zu Lieben. Ich wusste nicht, was ihr angetan wurde, aber es musste grausam gewesen sein. Ihr schrilles Lachen durchbrach die Stille. Sie genoss es, zu sehen wie ich unter den Gefühlen, die sie mir gab zusammenbrach. Und ich schrie. Ich schrie vor blinder Angst.

Und die da draußen sahen nur eine psychisch kranke Frau, die in der Ecke der Gummizelle saß. Mit einer Zwangsjacke. Sie sahen nur eine Kranke Frau, allein in einem weißen Raum, die schrie und schrie und schrie.

07 Juli 2010

Freitag der Dreizehnte

Heute morgen saß ich mit meiner Mutter, die heute ganz nebenbei ihren Vierzigsten feiert- für diejenigen die es interessiert, auf der Terrasse und unterhielt mich ganz nett mit ihr. Und plötzlich, wie aus dem Nichts schoss mir ein Satz durch den Kopf: Scheiße gelaufen, was?
Hab eine Weile darüber nachgedacht und mir eine Geschichte zusammengesponnen. Also hier habt ihr endlich mal wieder neuen Lesestoff! Viel Spaß!

Ich öffnete die Augen und blinzelte wegen der Morgensonne. Langsam stand ich auf, ich war noch so müde. Welchen Tag hatten wir heute? Ich sah auf meine Radiowecker: Freitag, der Dreizehnte Punkt, 09:00. Ich schlenderte ins Bad um mir die Zähne zu putzen. Moment?! NEUN UHR?! Ich hätte schon seit einer Stunde bei der Arbeit sein müssen. Verdammt! Ich rannte ins Bad, sprang unter die Dusche und putzte dabei meine Zähne. Das Wasser war eiskalt. Der scheiß Heizofen war mal wieder defekt. Naja wenigstens duschte ich unter den Umständen schneller. Ich sprang aus der Dusche und trocknete mich ab.Da ich so in Eile war, stieß ich mit dem Ellbogen gegen den Wandspiegel ,so dass er auf den Boden krachte und zerbrach! Jetzt musste ich auch noch die gottverdammten Scherben wegfegen, dabei war ich so spät dran. Wie sagt man so schön: sieben Jahre Pech. Das hatte mir noch gefehlt. Nicht das ich an so was glaubte. Alte Volksmärchen- lächerlich. Als ich aus dem Bad kam war es bereits zwanzig nach neun.

Ich gewährte mir, trotz des Zeitdrucks noch einen Kaffee, denn sonst würde ich in der Firma einschlafen. Ohne meinen morgenetlichen Kaffee war ich zu nichts zu gebrauchen. Ohne ihn war ich nur ein halber Mensch. Ich schüttete den Kaffee in mich hinein und verbrannte mir die Zunge. Echt ein toller Tag! Kann ja noch heiter werden.
Ich spurtete in die Garage, nur um festzustellen, dass das Auto nicht da stand wo es sein sollte.
Da fiel es mir ein, meine Frau hatte das Auto ja mitgenommen, weil sie mit unseren beiden Töchtern, 5 und 7 Jahre alt waren sie, zu ihrer furchtbaren Mutter gefahren war. Zu meiner Schwiegermutter. Wie ich diese Frau hasste. Immer nur am kritisieren. Und von Anfang an war sie gegen unsere Ehe gewesen, weil ich ja nicht gut genug war! So ein alter Hausdrache! Während ich mich über meine Schwiegermutter aufregte, rannte ich aus unserer Einfahrt auf die Straße. 5 km bis zur Arbeit. Das ging ja noch.
Ich rannte und rannte und wäre beinahe über die schwarze Nachbarskatze gestolpert die mir über den Weg lief. Verdammtes Ding. Erwähnte ich bereits, dass ich Katzen fast so sehr hasste wie meine Schwiegermutter? Nein? Nun jetzt ist es ja raus!
Verschwitzt kam ich beim Büro an. Im Foyer herrschte Chaos. Renovierungsarbeiten. Ich spurtete zum Fahrstuhl, mein Büro lag im 12 Stock- in der letzten Etage. Da nehme ich bestimmt nicht die Treppen!
Direkt unter der Leiter eines Malers hindurch, schlüpfte ich zum Fahrstuhl nur um festzustellen, das dieses verdammte Drecksteil defekt war?! Was sollte das denn?! Es ist ja schon eine Schande das es in einem Gebäude mit sage und schreibe 12 Stockwerken nur einen Fahrstuhl gab. Und dann war der auch noch kaputt?!

Freitag der Dreizehnte,der zerbrochene Spiegel, dieses schwarze Katzenvieh und ich bin unter einer Leiter hindurchgelaufen. Das bringt alles Pech. Angeblich. Aberglaube, Pah! Das ist was für Kinder und alte Damen. Ich war eben in Eile, da passieren Missgeschicke nunmal. Und das mit dem Fahrstuhl war Zufall. Ich würde mir gleich die Standpauke von meinem Lackaffe von Chef anhören und dann wie immer diesen Arbeitstag über mich ergehen lassen und Abends meine Frau und meine Kinder endlich wieder in die Arme schließen.

Also auf geht's zur Treppe.
Als ich endlich oben angekommen war atmete ich tief durch.War das anstrengend! Ich nahm mir vor mich wieder im Fitnesscenter einzuschreiben. Der Herr war auch mal sportlicher gewesen!
Als ich in mein Büro kam meinte Frieda, die Empfangsdame gleich:" Der Boss will dich sprechen. Er hat gesagt ich soll dich sofort zu ihm schicken, wenn du hier aufkreuzt."
Das konnte ja was werden! Also ich atmete noch einmal tief durch und ging zum Büro meines Chef's.
Er saß auf seinem Chefsessel und starrte mich Finster an, mit einer Hand wies er auf den leeren Platz gegenüber.
"Mein lieber Herr Kaiser", begann er: " Sind sie sich darüber im Klaren, dass sie in diesem Jahr bereits zum exakt vierzehnten mal zu spät kommen? Und erinnern Sie sich noch daran, wie ich Sie mit einer Engelsgeduld jedes Mal nur ermahnt habe. Ich bin wirklich ein großzügiger und toleranter Mensch Herr Kaiser, dass wissen sie."  Und ich dachte mir nur: Ja natürlich bist du das und ein ganz Wichtiger, das bist du auch, natürlich. Scheiß Lackaffe. "Doch nun mein lieber Herr Kaiser", setzte er fort: " Ist meine Geduld am Ende. Vierzehn grundlose Verspätungen kann und will ich in meiner Firma nicht dulden! Ich muss ihnen leider mitteilen, dass sie hiermit fristlos Entlassen sind. Auf Wiedersehen, Herr Kaiser. Bitte räumen Sie ihren Schreibtisch und dann verlassen Sie dieses Gebäude."
Völlig perplex verließ ich ohne ein Wort sein Büro. Das war doch wohl nicht sein ernst, elf Gottverdammte Jahre meines beschissenen Lebens mallochte ich bei viel zu geringem Gehalt, in der Firma dieses Sklaventreibers, und so dankte er mir? Dieser aufgeblasene Mistkerl wird schon sehen wie er ohne mich zurechtkommt!
Dann mach ich mir eben ein schönen Tag zu Hause, meine Frau müsste auch schon wieder da sein. Ich schlenderte nach Hause und verfluchte diesen Tag! Was sollte ich nun machen ohne Job. Die Zeiten waren verdammt schlecht. Wer weiß, wann ich etwas neues finden würde. Ach, das muss schon werden schließlich arbeitet meine Frau und wenn wir uns ein wenig einschränken reicht ihr Gehalt alle male.
Als ich endlich zu Hause ankam sah ich das Auto bereits in der Einfahrt vor dem Haus parken. Ich trat ein. "Linda?", rief ich: " ich bin schon zu Hause, Liebling!" Keine Antwort. Komisch. Ich hatte das Auto doch eben grade in der Einfahrt stehen sehen.Vielleicht war sie in der Küche. Dort angekommen fand auf dem Tresen einen blauen Zettel. Lindas Handschrift. Und ich begann zu lesen.




Lieber Frank,

es tut mir Leid, aber ich und die Kinder werden nicht mehr wiederkommen. Du kannst sie jedes zweite Wochenende zu dir nehmen. Wir haben uns einfach auseinander gelebt. Jeden Tag hast du Überstunden gemacht oder die Zeit in der Garage bei deinem Auto verbracht, du hast mich nie nach meinem Befinden gefragt und mich bei nichts unterstützt, was ich tat. Der Mann voller Leidenschaft und Liebe für mich, der Mann in den ich mich damals so verliebt hatte, der bist du Leider nicht mehr.
Ich war einsam Frank, also suchte ich mir die Liebe, die du mir nicht gabst bei einem Anderen. Und ich habe mich in ihn verliebt. Ich bin so glücklich mit ihm, wie ich es mit dir schon so lange nichtmehr gewesen war. Und die Mädchen mögen ihn auch.
Ich war nicht bei meiner Mutter, ich war bei ihm.
Es tut mir Leid, dass ich dich angelogen habe und es tut mir Leid, dass ich es dir so- per Brief, und nicht persönlich sage, aber ich kann dir nicht mehr vor die Augen treten. Ich habe nicht die Kraft dazu.
Wenn du ehrlich zu dir bist Frank, dann weißt du, dass wir nur noch wegen den Mädchen zusammen geblieben sind. Aber ich will glücklich sein Frank. Ich will mich nicht mehr länger aufopfern und um eine verlorene Ehe kämpfen.
Das Haus, das Auto- Alles überlasse ich dir. Meine Kleidung habe ich bereits abgeholt.Und die Sachen der Mädchen auch. Sei bitte nicht zu enttäuscht von mir. Ich hoffe, dass wir eines Tages wieder zusammen an einem Tisch sitzen können- Als Freunde. Und Frank, danke für die wundervollen Jahre und die zwei Töchter die du mir geschenkt hast!


Lebe Wohl
Linda




Ich schluckte. Das konnte einfach nicht Wahr sein. Warum? Ich las den Brief immer und immer wieder. In der Hoffnung, dass ich beim nächsten Mal etwas Anderes darauf lesen würde. Aber Fehlanzeige. Doch irgendwie konnte ich es immer noch nicht glauben. Linda, meine Linda. Wie konnte sie nur?
Ich ging hoch ins Schlafzimmer und sah in den Schrank. Tatsächlich, all ihre Sachen waren fort. Ich ging in Die Zimmer der Mädchen und fand genau, das selbe vor. Ein Zimmer. Ein lebloses Zimmer. Alles an persönlichen Gegenstände waren fort. Selbst die Musterzimmer in Möbelhäusern sahen belebter aus als diese Beiden.

Okay, ich glaube nun war ich in der Lage zu behaupten, dass dies mit Abstand der beschissenste Tag in dem Leben eines Mannes sei. Es konnte nicht schlimmer kommen.
In so einer Situation, gab es nur eines was ein Mann tun konnte. In die nächste Kneipe. Ja, der gute alte Alkohol. Der bleibt einem, egal was kommt. Wenigstens hatte sie mir mein Auto gelassen. Mein Baby, das einzige was ich noch hatte. Ein 2 Jahre alter BMW. Top Modell. Und ich hatte es gehegt und gepflegt wie meinen Augapfel.

Ich ging durch die Garage und lies das Tor hoch, um die Einfahrt zu betreten.
Liebevoll streichelte ich über die Motorhaube. Ich umrundete mein Baby. So eine Schönheit. Ich hielt inne als ich an dem Kofferraum ankam. Ich starrte ungläubig auf den hinteren Teil meines Autos. Ich hielt es nicht mehr länger aus. Ich konnte die Tränen nicht länger zurückhalten. Das hatte das Fass zum Überlaufen gebracht. Was hatte dieses Biest getan? Wie konnte sie nur? Mein Schätzchen, was hatte sie dir angetan? Hinten an der rechten Seite, war ein riesiger Kratzer im dunkelblauen Lack.

Ich war ein gebrochener Mann. Ich setzte mich auf den Gehsteig und lehnte mich an mein Wagen. Ja, vielleicht ist doch was dran am Freitag dem dreizehnten. Oder ich war einfach nur grundlos die ärmste Sau Deutschlands. Wer weiß.
Was für ein Tag. ich dachte es hätte nicht schlimmer kommen können.
Job weg, Frau weg, Kratzer im Lack. Und ich dachte nur: Scheiße gelaufen, was?

Buchtipp! Die verborgene Stadt

Hallöchen! Leider komme ich in letzter Zeit nicht dazu zu schreiben. Zu viel um die Ohren. Aber ich versuche heute mal wieder ein oder sogar zwei Geschichten zu Veröffentlichen. Ich habe schon viele Rückmeldungen bekommen,wofür ich sehr dankbar bin! Ganz besonders hat es mich gefreut, dass Uli Stein mal reingelesen hat! Und eine kleine Bitte, wenn ihr die Geschichten lest gebt mir doch bitte eine Rückmeldung, nur ein klitzekleines Kommentar, damit ich weiß was ich in Zukunft besser machen kann.     
Nun aber zum eigentlichen Thema dieses Post: Der Phantastikroman "Die verborgene Stadt- die Prophezeiung" von Vadim Panov! Dieses Buch habe ich ganz zufällig entdeckt und es hat mich sofort angesprochen.                                                                                                                    Seit ewiger Zeit existiert neben unserer Wirklichkeit eine zweite, magische Welt – die Welt der Werwölfe, Hexen und Magier. Und nach Jahrhunderten der Verfolgung durch die Menschen haben sich die magischen Geschöpfe an einen geheimen Ort zurückgezogen, durch mächtige Zauber vor den Augen der Bewohner Moskaus geschützt: die verborgene Stadt.    
Vadim Panov ist ein recht junger Autor aus Russland. Ich mag seinen Schreibstil sehr. Die Prophezeiung ist der erste Teil aus der Buchreihe um die verborgene Stadt. Es ist ein Phantastikroman von einer ganz anderen Art. Panov eröffnet eine ganz neue Welt. Klischees werden völlig außen vor gelassen. Für alle die wirklich gute Phantastikromane mögen ist dieses Buch ein muss!
Aber auch Leuten, die eher historische Romane bzw. Krimis mögen, ist dieses Buch zu empfehlen. Die "verborgene Stadt" existiert parallel zu Moskau. Sie hat ein ganz eigenes System mit 3 Herrscherhäusern. Kriege, Intrigen und Machtkampf. Und wie sich die Ereignisse in der verborgenen Stadt auf unsere Welt- also auf das Moskau, dass wir kennen, ausüben erfahren wir durch den reizenden Kommissar Andrej Kornilov, der versucht die rätselhaften Morde und Überfälle in Moskau aufzuklären. Der Autor nimmt verschiedene Sichten ein und erschafft für den Leser ein abenteuerliches Bild, der verborgenen Stadt!
Ein kleines Plus bekommt dieses Buch noch für die Namensgebungen, die wirklich raffiniert ist. Um auf diese Feinheiten aufmerksam zu werden, muss man jedoch des Russischen mächtig sein. Ein kleines Beispiel: der Bote, der nach einer Prophezeiung geboren werden soll, um die drei Herrscherhäuser abzulösen und als alleiniger Herrscher über die verborgene Stadt herrschen soll, heißt Lubomir. Was soviel wie: liebt den Frieden heißt. Auf solche Feinheiten stößt man beim Lesen immer wieder. Klasse!
Ich habe dieses Buch förmlich verschlungen und freue mich tierisch auf die Fortsetzung " Die verborgene Stadt- Das Opfer". Ich hoffe euch gefällt es auch!
                                                                                                                                                                         


                                                                                                                                                 

03 Juli 2010

Er.

Hallo meine Lieben. Ich habe ja schon zwei Tage nichts mehr veröffentlicht. Ich war die letzten Tage immer unterwegs und Abends dann Hundemüde.
Also habe ich mir ganz fest vorgenommen heute mal wieder etwas zu schrieben :).
Schon den ganzen Tag bin ich am Überlegen. Den ganzen Tag lang halte ich nach irgendetwas ausschau, das mich inspirieren könnte. Und wie es denn so immer ist, wenn man verkrampft nach einem Einfall sucht  kommt einfach keiner. Also habe ich es aufgegeben und mich mit einem Buch auf unser Sofa gelegt. Und plötzlich, siehe da: Eine Idee! Es kam über mich und ich habe sofort angefangen zu schreiben :). Aber vorher wollte ich noch eines klarstellen: "Ich möchte darum bitten, dass der Sprecher, das lyrische Ich, nicht verwechselt wird mit dem Autor. Überhaupt niemals den Autor für Inhalte verantwortlich machen." (Sebastian Krämer) Ich wünsche euch viel Spaß!

Schweißgebadet wachte ich auf. In meinem Zimmer war es dunkel, heiß und zu allem Überfluss auch noch schrecklich stickig. Erstmal duschen. Das war mein Erster Gedanke an diesem Morgen. Als ich aufstand und ins Bad schlenderte blickte ich auf die Uhr und musste feststellen, dass es genau genommen garnicht Morgen war, sondern eher Nachmittag. Fast 15:00 Uhr.
Ich hatte verdammt lange geschlafen. Leider Gottes fühlte es sich nicht so an. Mein Rücken tat höllisch weh, mein Nacken war verspannt und ich war Hundemüde, schrecklich.
Unter der Dusche drehte ich das Wasser sofort auf. Erfrischend kalt lief es über meinen Körper. Schlagartig wurde ich Putzmunter. Ich blieb länger als notwendig unter der Dusche.
Als ich dann endlich frisch und fertig angezogen aus dem Bad kam war es fast 16:00 Uhr.
Ich verspürte keinen Appetit, also lies ich das verspätete Frühstück ausfallen. Mit dem heutigen Tage wusste ich nicht so Recht etwas anzufangen.
Ich war heute nicht in der Stimmung etwas zu Unternehmen und allein zu Haus. Nach kurzem hin und herüberlegen setzte ich mich an den Computer um meine Nachrichten zu checken. Ich loggte mich überall ein, doch nirgends, weder in meinem E-Mail Postfach noch bei irgendeinem Messenger gab es etwas interessantes. Er hatte mir nämlich nicht geschrieben.
Mal wieder nicht. Das letzte Mal hatten wir vor einer Woche Kontakt. Vor einer ganzen Woche. Ich überlegte ob ich ihm schreiben oder anrufen sollte, aber verwarf den Gedanken. Was wenn ich ihm auf die Nerven ging? Was wenn er froh war seine Ruhe vor mir zu haben? Oder noch schlimmer, was wenn er keinen Gedanken an mich verschwendete, während ich es den ganzen lieben langen Tag tat?
Mit der Zeit würde sich alles zeigen und es ging weiter ob mit oder ohne ihn. Lass ihn Mädchen, sagte ich mir. Du bist doch ne Hübsche, kannst noch genug andere Kerle haben. Wenn er dich nicht will wird er schon noch sehen was er davon hat. 
Hübsch war ich in der Tat und die Männer standen förmlich Schlange. Geschenke, Liebesbekundungen. Verzeiht den Ausdruck, aber die Kerle rissen sich förmlich den Arsch auf um meine Gunst zu erwerben.
Aber ich wollte natürlich gerade den Einen, der sich anscheinend einen Dreck um mich schert.
Das imponierte mir, irgenwie. Natürlich war er nett zu mir, wir waren ja auch ganz gut befreundet. Aber er war eben nur nett zu mir. Nicht weniger, aber Leider auch nicht mehr.
Naja das stimmte so nicht ganz. Einmal, da hatte er Interesse gezeigt. An einem Tag, waren wir alleine in seinem Zimmer. Nur wir Zwei. Er sah mich die ganze Zeit an. Dann zog er mich zu sich aufs Bett und küsste mich. Fordernd, voller Leidenschaft. Ich bin noch nie zuvor so geküsst worden.
Lange Zeit lagen wir dort auf dem Bett und küssten uns, doch weiter gingen wir nicht. Als er mich dann nach Hause brachte benahm er sich wie immer, als ob nie etwas gewesen wäre.
Und dabei blieb es auch, er sprach mich nie wieder auf diesen Tag an und  wenn ich es tat blockte er ab und versuchte das Thema zu wechseln. Als ob es ihm peinlich wäre.
Und genau deshalb wollte ich ihn. Weil er mich anscheinend nicht wollte. Jeder andere Mann den ich bis jetzt geküsst hatte, wollte mich dannach und belästigte mich Tag und Nacht. Aber er nicht. Er war anders. Zum ersten Mal hatte ich Interesse an einem Mann und nicht er an mir. Zum ersten Mal war es anders herum. Zum ersten Mal wurde ich zurückgewiesen.
Ich wollte ihn wirklich. Je öfter ich an ihn dachte um so mehr wurde mir dies bewusst. Ich hatte ihn schon immer für seinen Intellekt bewundert und unterhielt mich gerne mit ihm. Und hübsch war er, das stand außer Frage. Aber es gab auch andere hübsche Kerle. Nur er hatte etwas an sich. Er war mehr.Es ging weit über Sympathie oder erotisches Interesse hinaus. Das war mir klar. Nur ich wusste nicht was es war.

Eine gute Freundin war der Meinung, dass ich mich verliebt habe. War das der Fall? War ich zum ersten Mal verliebt? Ich wusste es nicht und wollte auch nicht darüber nachdenken, weil ich dann unvermeidlicher Weise auch an ihn denken müsste und das wollte ich nicht. Abgewiesen zu werden ist kein schönes Gefühl. Es tut ziemlich weh und kratzt ganz schön am Ego.
Aber davon, von Selbstbewusstsein, hatte ich eine gesunde Portion. Und daran konnte selbst er nichts ändern.
Um auf andere Gedanken zu Kommen ging ich nach draußen. Wir hatten eine schöne Terrasse und einen gepflegten Garten. Und der Ausblick war herrlich. Man sah direkt auf einen See.
Ich nahm blind ein Buch aus dem Regal und legte mich auf eine Liege.
Wie lange genau ich dort, auf der Terrasse lag und las wusste ich nicht. Aber es musste schon eine Weile gewesen sein, denn langsam wurde das Licht schlechter und ich beschloss gleich hinein zugehen, damit ich mir die Augen beim Lesen nicht kaputtmachte.

Vor dem Haus hörte ich Schritte. Ich dachte zuerst, dass meine Eltern heimgekommen wären, doch dann fiel mir ein, dass die Beiden für eine Woche an der Ostsee waren. Ich hielt inne und lauschte noch ein Mal hörte jedoch nichts mehr. Das hatte ich mir wahrscheinlich bloß eingebildet. Ich senkte meine Blick wieder um weiter zu Lesen, als plötzlich ein Schatten auf meinem Buch lag.
Ich sah auf und vor mir stand er. Ich rieb mir die Augen aber er verschwand nicht. Er stand da. Direkt vor mir und blickte auf mich hinab.
Stumm streckte er mir die Hand hin und ich griff ohne zu überlegen nach ihr. Er hievte mich hoch und fing mich auf, da ich durch den Schwung ins stolpern geriet. An seine stattliche Brust gedrückt standen wir da. Dann schob er mich eine Armeslänge von sich und sah mir in die Augen.
Dieser Blick. Dieser ganz Besondere Blick.
So hatte er mich damals, bevor er mich geküsst hatte auch angesehen. Ich hoffte innerlich, dass er es heute- jetzt- wieder tun würde. Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Er küsste mich lange und zärtlich und ich erwiderte seinen Kuss. Und als wir uns voneinander lösten um nach Atem zu schnappen legte er seine Stirn an meine.
Die Sonne ging langsam unter und wir sahen uns nur an. Lange. Und obwohl wir nichts Anderes taten, uns nur anschauten war es der innigste Moment meines Lebens. Er küsste mich nocheinmal. Kurz aber zärtlich.
Und ohne nachzudenken, rein intuitiv kam es über meine Lippen: " Ich liebe dich."
Er lächelte doch antwortete nicht. Leicht enttäuscht fragte ich dann:" Wollen wir reingehen, wird langsam frisch hier draußen."
Er nickte und wir betraten das Haus. Er blieb über Nacht und den ganzen Abend saßen wir auf der Couch und redeten. Über belanglose Dinge. Ich fragte nicht wieso er gekommen war, obwohl es mich brennend interessierte. Er sagte nichts zu meiner Liebeserklärung.
Ich ging hinauf um mich Bettfertig zu machen und legte mich darauf in mein  Bett.
Enttäuscht. Enttäuscht und müde, das war ich.
Ich war schon im Halbschlaf als er in das Zimmer kam und sich einfach zu mir ins Bett legte. Mit großen Augen starrte ich ihn an und er zog mich nur an seine Brust und flüsterte: "Ich liebe dich auch."
Arm in Arm schliefen wir ein. Glücklich und geborgen.
Es war das erste Mal, dass wir so einschliefen, aber ganz gewiss nicht das Letzte.