Hallo!

Viel Spaß beim Lesen meiner Geschichten!

15 November 2010

Nach einer LANGEN Pause so halb zurück/ Buchtipp/ "Gute Nacht, Liebling!"

Halli Hallöle meine Lieben!
Wie ihr gemerkt habt war ich eine weile inaktiv. Wobei "eine Weile" in meinem Falle ein halbes Jahr beträgt. Es kam leider viel zu viel dazwischen: Schule, Privates, etc.
Eigentlich wollte ich zwischendurch doch mal wieder etwas posten, ganz so beschäftigt war ich dann doch nicht. Nur leider blieb es bei diesem undurchsichtigen eigentlich. Es ist nicht so, dass ich das Schreiben komplett fallen gelassen habe. Nein, nein! Im Gegenteil. Ich war so produktiv wie schon lange nicht mehr. Ich verbrachte mehrere Abende damit wie eine Wahnsinnige auf die Tasten zu hämmern und meinen armen Laptop so zu misshandeln. Und nun habe ich ein Buch geschrieben und es überarbeitet. Ich bin noch am überlegen, ob ich mich auf die Suche nach einem Verleger machen sollte, da das Werk doch etwas privatere Dinge aufgreift und aufarbeitet.
Ich schweife schon wieder ab, verzeiht. Also wie gesagt, geschrieben habe ich viel, auch meine geliebten Kurzgeschichten nur ich hatte nicht den Nerv dazu sie zu posten, da mysteriöserweise immer Teile gelöscht werden, sobald ich sie hier rein kopiere, sodass ich jeden meiner Texte nochmals durchlesen muss um zu gucken, was Blogger aus langeweile mal wieder nicht übernommen hat. Eventuell gefallen dem Blogportal meine Texte auch nicht, wer weiß?
Aber ich gebe dich Schuld keinesfalls der Internetseite. Nein! Wie könnte ich nur? Bekanntlich sitzen 98% der Computerfehler vor dem Rechner. Und ich selbst bin technisch eine NULL. Mit Informatik kann ich garnichts anfangen. Null. Nada. Njente.
Versuchen mich mit diesem Thema vertraut zu machen, wäre ca. so effektiv wie zu Versuchen einer Kuh das Schwimmen bei zu bringen. (Nur ein kleiner Hinweis am Rande, damit ihr den Vergleich besser versteht: Eine Kuh hat keinen Schließmuskel, sodass sie mit Wasser vollläuft und ertrinkt.... Traurig aber wahr.)
So genug zu meiner Abwesenheit. Nun bin ich wieder da und versuche einigermaßen regelmäßig etwas zu posten.
Und als Entschädigung für meine lange Abwesenheit quasi, geht es in diesem Post gleich um zwei Dinge. Natürlich gibt es endlich mal wieder eine mehr oder weniger nette Kurzgeschichte geschrieben von meiner Wenigkeit, aber zusätzlich, als Sahnehäubchen quasi gibt es hier noch einen Buchtipp. Dieses Buch ist fantastisch zu lesen, hat tolle Metaphern und ist auch sehr tiefgründig. Es sind geschichtliche Kenntnisse notwendig um die Materie vollständig erfassen zu können. Und nun kommt auch der Titel und bitte nicht die Augen verdrehen oder runterscrollen:
Die Geschichte eines Moralisten- Erich Kästner.
Ja, ganz richtig. Erich Kästner. Ich denke der Klappentext ist sehr aussagekräftig und erfasst das wesentlich also hier ist er:

Berlin zu Beginn der 30er Jahre: Jakob Fabian, Reklamefachmann ohne Stellung, durchstreift seine Stadt und studiert das Leben: möblierte Zimmer, Bars, gewisse Damen und dazugehörige Etablissements, Arbeitslose, die Liebe und die Verlogenheit der Menschheit. Im trüben Strom des Opportunismus und der Inhumanität geht er, der Moralist, unter- und mit ihm die Ideale der Weimarer Republik. Eine brilliante und provokante Großstadtsatire.
Quelle: dtv deutscher Taschenbuch Verlag- Erich Kästner: Fabian die Geschichte eines Moralisten

Ans Herz legen kann ich euch noch zusätzlich die Interpretation zu dem Stück aus dem Oldenbourg Verlag. Sie hilft dabei in die Materie einzusteigen und geschichtliche Zusammenhänge und Anspielungen besser zu erfassen. Also, seid nicht allzu abgeschreckt von dem Titel, verbindet Kästner nicht länger mit dem Deutschunterricht und versucht es einfach mal!

So und nun zu einer Kurzgeschichte meiner Wenigkeit. Und seid bitte nicht enttäuscht, denn dieses Mal wird sie ihrem Namen alle Ehre machen- denn sie ist kurz.

"Gute Nacht, Liebling!"


Er hörte ein leises Rascheln, ein kaum wahrnehmbares Geräusch, dass ihm jedoch klarmachte, dass es nicht länger allein in dem Raum war. Er lag im Bett und hatte die Augen längst geschlossen. Mit einem Fuße war er bereits im Reich der Träume und es zerrte an diesem um ihn komplett in die Arme des Schlafes zu ziehen. Doch er nahm alle seine Willenskraft zusammen und zwang sich aufzusehen, um die Quelle des Geräusches zu identifizieren. Um sich an das Zwielicht, dass im Raum herrschte zu gewöhnen, blinzelte er einige Male und als seine Augen den grauschwarzen Dunst durchdrungen hatten, wurde er mit einem Schlag hellwach.
Vor ihm, direkt am Bettende stand jemand- eine Frau. Er hatte keinen blassen Schimmer wer sie war, und noch rätselhafter war es ihm wie sie in das Haus gekommen war- und sie war nackt. Doch er konnte sie nicht dannach fragen. Er konnte den Mund nicht öffnen, keinen einzigen Ton konnte er seinen Stimmbändern entlocken. Er konnte nichts weiter tun als diese Frau anzusehen.
Sie war eine Schönheit- die Verkörperung Aphrodites. Seine Augen wanderten begierig über jeden Zentimeter ihres Körpers.
Ihre langen schwarzen, glänzenden Haare, die glatt bis zu ihrer Taille fielen und bei jeder Bewegung ihren Körper streichelten, rahmten ihr zartes, engelsgleiches Gesicht ein. Ihre Haut war sehr hell und wirkte durch das Mondlicht, dass ins Zimmer fiel weiß wie Schnee. Und ihre Augen waren so silbern und glänzend wie Quecksilber. Der Mund war voll und weich, eine Einladung für jeden Mann, der er auch nur allzu gerne nachgekommen wäre, jedoch konnte er sich nicht von ihrem Anblick lösen. Die kleine, spitze Nase verlieh ihrem sonst so weichen, weiblichen Gesicht etwas spitzbübisches, herrausforderndes. Er kannte jeden Zentimeter ihres Gesichtes und wusste, dass er dieses Gesicht nie vergessen würde. Es schien als hätte sich ihre Schönheit auf seine Netzhaut gebrannt.
Sein Blick wanderte hinab, über ihren langen, dünnen Hals runter zu ihren prallen, wohlgeformten Brüsten. Er bekam das Verlangen diese zu umfassen und leicht zu drücken, sie zu küssen und doch geduldete er sich um sie weiter zu betrachten und ließ seinen Blick weiter wandern. Ihre schmale Taille und ihr flacher Bauch liefen in weibliche Hüften über. Die Beckenknochen standen leicht hervor, nicht zu viel und nicht zu wenig, genauso wie es bei einer Frau sein sollte. Ihre Beine ließen sie nichts von ihrem perfekten Aussehen einbüßen. Sie schienen endlos lang zu sein. Jeder Zentimeter, jeder Winkel ihres Körpers war so weiblich, so vollkommen. Und jeder Zentimeter schien nach ihm zu rufen. Es zog ihn zu ihr, wie die Motten zum Licht.
Seine fremde Göttin machte einen Schritt auf ihn zu und ließ dabei verführerisch ihre Hüften schwingen. Sie legte sich auf ihn, sodass er ihren vollen Busen auf seiner Brust spürte und ihr Gesicht direkt über dem seinen war. Nun roch er sie und es war überwältigend. Sie roch nach Blumen, aber dennoch so unbeschwert und leicht. Sie lächelte, ein kleines, verschmitztes Lächeln, und sein Gehirn setzte aus. Rationales Denken war seit ihrem Erscheinen nicht mehr möglich gewesen, doch nun war selbst  primitivste Form des Denkens nicht möglich. Er spürte eine animalische Kraft in ihm, die die Kontrolle übernahm. Diese Frau gehörte ihm, er wollte sie für sich nehmen und nie wieder hergeben müssen. Er betrachtete sie als sein Eigentum. Denn er wusste mit hundertprozentiger Gewissheit, so banal dieses Wissen auch zu sein schein mochte, doch er wusste, dass er diese Frau von ganzem Herzen liebte. Sein Herz gehörte ihr seit sie sein Schlafzimmer betreten hatte.
Sie presste ihre weichen, vollen Lippen auf die seinen und dieser Kuss ließ ihn explodieren. Er wurde immer wilder und leidenschaftlicher, drängte sie, bis sie seiner Zunge einlass gewährte. Sie schmeckte so süß und ihre kleine spitze Zunge umkreiste seine. Er wollte mehr, doch sie ließ ab und lehnte sich ein wenig zurück um sich seinen fordernden Lippen zu entziehen. Während er sie ansah, schnappte er wie ein ertrinkender nach Luft. Er wollte mehr von diesen süßen Küssen, er brauchte mehr .
Ihre zarten Hände wanderten über seinen Hals über seine Brust und verharrte dort. Ihre Berührungen waren so sanft, so zart. Er machte sich keine Gedanken mehr darüber: Woher diese Frau kam? Wer sie war? Was sie von ihm wollte? Es spielte alles keine Rolle mehr, denn er war erfüllt von brennender, aufrichtiger Liebe zu dieser Fremden, die er schon sein ganzes Leben lang zu kennen schien.
Ihre Lippen bewegten sich und zum ersten mal hörte er seine Aphrodite sprechen- es war nur ein Flüstern. Ihre Stimme war so lieblich und vollkommen wie der Rest von ihr. "Gute Nacht, Liebling!", war das Letzte was er hörte, denn in der gleichen Sekunde riss sie ihm das Herz aus der Brust.
Sie hielt das noch pulsierende Organ in der Hand, dass seinen Lebenssaft auf dem Bett verteilte und sie war, genau wie sein Herz, erfüllt von grenzenloser Liebe.



    

12 Juli 2010

Geschwafel

Ach, Gottchen. Diese Hitze. Stolze 40°C waren es heute tagsüber. Dienstags soll es ja wieder ein wenig abkühlen. Und an meinem Geburtstag am Mittwoch sind es wieder 30°C, na das kann ja was werden!
Nun, unser Wunsch, dass der Winter endlich ein Ende nehme, ist allen Anschein nach erfüllt worden. Herzlich Willkommen globale Erderwärmung!
Im Momente leide ich an chronischer Lustlosigkeit. Aber wer tut das nicht bei diesen Temperaturen? Am liebsten würde ich den ganzen Tag in dem schönen, kühlen Keller vor mich hin dösen. Oder den ganzen Tag unter der Dusche stehen. Das wäre auch eine nette Alternative, aber das wäre, glaube ich, nicht unbedingt förderlich für geringe Wasserkosten.
Am Wochenende war ich in Berlin, deshalb kam leider nichts neues, obwohl ich im Moment quasi überlaufe vor Ideen. Zwar sind nicht alle es Wert, auch aufs Papier gebracht zu werden aber einige schon, denke ich zumindest. An sich war das Wochenende wundervoll, aber leider stellte sich schnell heraus, dass es Begleiterscheinungen aufwies. Nun ja. Heißt es nicht Nehmen und Geben. Für alles muss man bezahlen. Selbst für ein schönes Wochenende. Doch ich bin der Meinung, dass es eindeutig überteuert war. Aber naja, Berlin ist nun mal die Hauptstadt. Da muss man anscheinend mit Wucher rechnen. Der Preis für diese zwei Tage lag bei stolzen 29 Mückenstichen. Toppt das mal!. Es juckt wirklich überall! Aber zum glück gibt es kühlendes Fenistilgel. Ansonsten würde ich mich, glaube ich, wie ein Tier im Schlamm wälzen. Sähe bestimmt lustig aus.
Hach, ich beginne schon wieder zu schwafeln und über Gott und die Welt zu reden, dabei wollte ich eigentlich eine Geschichte schreiben. Aber naja, man muss auch mal spontan sein. Und wenn ihr die Geschichte lesen wollt müsst ihr diesen Text nun mal mitlesen. Zumindest dieses Mal, denn ich werde irgendwann, wenn ich den Drang dazu verspüre, ohne Absatz und total Übergangslos, mit meiner Geschichte anfangen. Ja, das Überraschungsmoment, war schon immer ein sehr wertvolles und wichtiges Bestandteil. Tue immer etwas unerwartetes! Verwirr deine Gegner!
Ja, es ist in der Tat viel zu heiß. Da wird man ganz kirre!  Dass merkt man unteranderem, wenn man diesen sinnlosen Text ohne Raffinessen und Inhalt liest. Und wie anspruchsvoll er doch ist! Applaus, Applaus! Das ist so schön, die ganzen Wörter, die mir Tagsüber so durchs Köpfchen schwirren einfach mal festzuhalten. Ohne darüber nachzudenken. Manche von euch werden sich jetzt Fragen warum ich diesen Text niederschreibe. Die Antwort ist ganz einfach: Weil es MEIN Blog ist und hier veröffentliche ICH, was ICH will. Und wenn ihr MEINE Geschichten lesen wollt müsst ihr wohl oder übel, dieses uninteressante Zeug lesen. Ja ja, die Welt ist schon grausam. Aber was will man machen! So war es und so wird es immer sein. Jeder wird irgendwann einmal unterdrückt. Diesmal sitze ich am längeren Hebel. Nun theoretisch gesehen könntet ihr oben auf das niedliche, rote X klicken und diesen Blog schließen, aber das wäre ja langweilig. Vergesst das am besten ganz schnell wieder! Ist eine doofe Idee. Wo bleibt denn da der Spaß? Seht es als Herausforderung! Wenn ihr es schafft diesen Text zu Ende zu lesen, dann bekommt ihr zwar nichts, aber ihr könnt stolz von euch behaupten, dass ihr es geschafft habt. Das ist auch mal was! Weniger ist manchmal mehr! Die kleinen Dinge machen das Leben lebenswert, nicht wahr meine Lieben?
Hier kommt sogar ein Witz. Also passt auf: Was ist blau, lebt 10 Meter unter der Erde und frisst Steine? Na, wisst ihrs? Na los, ist doch gar nicht so schwer. Einfach ein bisschen drüber nachdenken. Oder ich sag‘s euch einfach. Trommelwirbel bitte: Ein blauer, zehn-Meter-unter-der-Erde lebender Steinfresser!
Na seht ihr war doch ganz einfach oder? Hach sind wir heute wieder komisch. Und nun reden wir auch noch im Plural von uns. Wir werden doch wohl nicht schizophren, Fräulein Ruppert?
Ist ja schon ein ganz schönes Stück Text hier. Ich bin beinahe schon stolz. Aber auch nur beinahe. Ich habe heute das Lied "Hier kommt Kurt" von Frank Zander gehört. Wollt ich nur mal gesagt haben. Damit ihr's wisst. Ist unglaublich spannend nicht wahr? Ich mag das Kostüm aus dem Video. Und noch mehr unnütze Informationen, herrlich! Ich schmeiße damit geradezu um mich!
So, das war eindeutig genug zu meiner Person. Ich könnte jetzt mit der Geschichte anfangen. Ich KÖNNTE, muss ich aber nicht. Denn ich bin die Autorin dieses Textes. Ich habe die Macht! Oh je und größenwahnsinnig bin ich auch. Welch eine Kombination. Geschichte, deine Meisterin befiehlt dir zu erscheinen:
Geschichte: Er versprach ihr, damals in der wehen Stunde ihrer Trennung, dass sie sich, wenn des Maies erste Morgenröte erscheine, wiedersehen würden. Er versprach es und sie, so naiv und so gutmütig, glaubte es ihm. Voller freudiger Erwartungen, sehnte sie sich nach ihrem baldigen Aufeinandertreffen. Allein der Gedanke daran, erquickte ihr Herz auf eine Weise, die nur er herzuführen vermochte. Denn er war derjenige, den sie begehrte. Er war derjenige, nachdem sie sich, seit jener zweisamen Nacht sehnte.
Seine Worte, so süß wie der Gesang einer Nachtigall, vermochten es sie immer aufs Neue, da hinschmelzen zu lassen.
Sie lauschte ihm voller Entzücken und glaubte all seine Versprechungen. Sie glaubte dem edlen Ritter, weil sie ihn liebte. Seit der Nacht im Walde, gehörte ihm ihr Herz. Und er erkor auch sie damals zu seiner Herzdame, so glaubte sie. Doch noch war es ein Geheimnis, das sie beide hüteten. Es verband sie. Er wollte in sein Heimatdorfe zurückkehren um alles für die baldige Vermählung vorzubereiten, so sagte er es ihr. Und so glaubte sie. Und heute, wenn das warme Licht der Sonne, die erste Mainacht vertrieb, würde er zu ihr zurückkehren. So glaubte sie. Sie stand auf ihrem Balkon und blickte über das Land. Erwartungsvoll, immer Richtung Norden schauend, wartete sie auf seine Ankunft.
Sie wartete auf ihren Verlobten, und sie hoffte, dass all das Warten, nicht vergebens sei.
Sie fror, nur in ihrem Seidennachtkleid stand sie hier auf dem Balkon. Es war noch Nachts, nicht einmal, das zarte Licht der Morgendämmerung, die das baldige Erscheinen der Sonne ankündigte, war eingetreten. Doch egal wie sehr sie sich dazu bewegen wollte, noch einmal, sei es auch nur für wenige Stunden, in die wogenden Arme des Schlafes zu gleiten, es gelang nicht. Zu aufgeregt war sie. Nicht einmal der werte Herr Papa, wusste von der heimlichen Verlobung, und heute würde ihr Ritter bei ihrem Vater um ihre Hand anhalten. Und der Herr des Hauses würde voller Stolz seine Einwilligung geben. So glaubte sie.
Er konnte nicht anders. Reich und erhaben war er, doch das war nicht der einzige Grund, wieso ihr Vater zustimmen musste. Wenn doch der Andere, viel ausschlaggebender und erfreulicher war. Ihre Liebe hatte schon nach dem ersten Beischlaf Früchte getragen. In jener Nacht, als er ihre Unschuld nahm, still und heimlich in dem Wäldchen, ganz nah. In jener Nacht hatte er ihr auch ein Geschenk gemacht. Zwei Monate so sagte er, verbrachte er in dem anderen Königreich. Und sie wartete auf ihn, voller Hoffnungen rannte sie, seit seinem Aufbruch, Tag für Tag nach dem Erwachen zu ihrer Magd um nach einem Briefe ihres Ritters zu Fragen. So süße Zeilen, vermochte nur er aufs Papier zu bringen, da sie aus seinem Herzen kamen, so glaubte sie. Mit jedem Brief verliebte sie sich mehr und mehr in ihn. Doch nach einer Zeit blieben die geliebten Briefe zu ihrem großen Bedauern aus. Er war zu sehr mit den Hochzeitsvorbereitungen beschäftigt, so glaubte sie.
Ihre Magd war die Einzige Unbeteiligte, die von dieser Nacht wusste. Es wäre ohnehin unvermeidbar gewesen. Spätestens als das Blut, dass hätte an ihren weißen Schenkeln herunterlaufen sollen, nicht kam, hätte ihre Magd, und mittlerweile auch treue Freundin, davon erfahren.
Sie stand auf ihrem Balkon und wartete auf ihren Verlobten, bereits zu so früher Stund. Als Fremder kam er in ihr Dorf und eroberte das Herz eines jeden Weibes im Sturm, doch entschieden hatte er sich für sie. So glaubte sie zumindest. Das schönste Kind im Dorfe, jung und unberührt. Sie wartete auf ihn den ganzen Tag. Die Mittagsstunde war bereits eingetreten und er kam nicht. Sie wartete. Tage, Monate, doch er kam nicht.
Und erst nun erkannte sie, dass jene Nacht ihr junges Leben zerstört hatte. Blind vor Naivität der Jugend, hatte sie sich ins Unglück gestürzt. Sie hatte sich von ihm so berühren lassen, wie es sich nur für den Ehegatten geziemt. Und nun bereute sie. Nun wurde ihr klar, dass sie nicht seine Herzdame, die Auserwählte war, sonder die naive Jungfer, die sich ein säuseln lies, durch seine Lügen und sich ihm hingab. Dies wusste sie. Die, die dann vergebens auf ihn wartete. Ohne Liebe hatte er sie berührte und ihr mehr genommen als nur die Chance auf eine glückliche Ehe. Nicht nur ihre Kindlichkeit, Naivität und Unschuld, sondern den Glauben an die wahre Liebe. Das Kind, das sie von nun an immer an ihre Sünde der Jungend, an ihre einzige Liebe erinnern sollte, erblickte das Licht der Welt und die Jahre zogen ins Land. Ihre Schönheit verflog und ihr damals so lieblich Anlitz erstarrte im Tode zu einer Maske der Verbitterung.

08 Juli 2010

Die da draußen

Die Idee für diesen Text kam ganz spontan, gestern Abend im Bett. Ich konnte nicht einschlafen und habe meine Gedanken schwelgen lassen und nun habe ich auch wieder ein dutzend Ideen. Naja lest und seht woran ich Abends vor dem Einschlafen so denke.


Ich wachte auf. Wie viele Tage war ich hier nun schon? Ein? Zwei? Oder doch schon eine Woche? Der Raum war ganz weiß, komplett steril. In der Ecke lag eine Matratze und die Wände waren gepolstert. Sonst war hier nichts. Nichts, außer mir und ihr natürlich.
Und noch jemand war da. Ich sah sie zwar nicht aber ich wusste, dass sie da waren. Nicht in dem Raum. Davor. Draußen.
Die da draußen hatten mich mir ihr, hier rein gesperrt und beobachteten mich. Die da draußen hatten mich in diese Jacke gesteckt, sodass ich mich nicht gegen sie wehren konnte.
Die da draußen konnten keine Menschen sein. Nein. Zu so etwas grausamen konnten Menschen doch nicht in der Lage sein.
Das waren Monster, Aliens aus fremden Galaxien. Menschen waren zu so etwas schrecklichem nicht in der Lage. Das konnte einfach nicht sein. Ich war schließlich selbst ein Mensch. Warum hatten die da draußen mich hier eingesperrt? Und dann auch noch mit ihr? Sie beobachteten mich das wusste ich, aber wieso? Amüsierten sie sich? Ergötzten sie sich an meinem Leid?
Es war alles schon schlimm genug, bevor ich hier in diesem Raum war, mit gefesselten Armen. Da draußen in meinem normalen Leben, hat sie mir immer aufgelauert. Hat mir gedroht, mich gejagt und wenn sie mich bekam schlug sie mich und lachte mich aus. Aber dort konnte ich mich wehren. Ich konnte wegrennen.
Aber hier. Hier war ich ihr ausgeliefert. Hier musste ich alles, jede Pein, über mich ergehen lassen. Und die da draußen sahen zu.
Durch den Schlitz in der Tür wurde Essen hinein geschoben. Sie waren Krank! Sie sorgten dafür, dass ich nicht verhungerte oder verdurstete. Damit ich länger aushielt. Damit sie mich länger quälen konnte.
Ich wollte das nicht mit mir machen lassen. Ich wollte verhungern. Aber mein Magen trieb mich immer wieder dazu, über das Tablett herzufallen wie ein Tier.
Was war ich? War ich ein Versuchskaninchen? Teil einer Kranken Reality-Show? Oder hielten die da draußen mich als ihr Haustier und kamen, wenn sie Langeweile hatten.
Ich schlang mein Essen herrunter. Schnell solange sie noch schlief. Wenn sie schlief, verschwand sie einfach. Wahrscheinlich, holten die da draußen sie hier raus. Damit sie nicht verrückt wurde. Oder sie versteckte sich. Um mich in Sicherheit zu wiegen. Aber das funktionierte nicht. Denn ich wusste, dass sie wieder auftauchen würde.
Mit dieser verdammten Jacke musste ich mich wirklich wie ein Tier über den Teller beugen. Als ich fertig mit dem Essen war, war mein ganzes Gesicht verschmiert. Ich kroch zurück auf die Matratze. Gleich würde sie kommen. Und die da draußen würden uns beobachten. Ich machte mich ganz klein.
Und wartete. Und wartete. Und wartete.
Und sie kam. Wie ich sie hasste. Dieses Mädchen. Warum nur ich? Wieso quälte sie mich, und nicht jemand anderen? Sie stand in der anderen Ecke des Raumes. Noch weit entfernt. Aber sie kam näher. Ihr eines Bein zog sie unnatürlich hinterher. Als sei es gebrochen. Sie war blass, ihre Haut war beinahe schon durchscheinend. Überall hatte sie Wunden und Kratzer und ihre Blöße wurde nur durch ein zerrissenes, schmutziges, graues Kleid bedeckt, das einst wahrscheinlich weiß gewesen war. Ihr langes Schwarzes Haar hing bis zu den Knospengroßen Hügeln, die ihre kindlichen Busen darstellten. Das Mädchen war geschunden, doch das schlimmste war ihr Blick.
Er war wirr, voller Hass und Neid auf alles was lebte. Und immer, immer wieder verzog sie die rissigen Lippen, wobei diese aufplatzten und zu bluten begannen, zu einem hämischen Grimasse. Der Anblick war furchtbar. Sie sprach nie. Das musste sie nicht. Ich wusste auch so was sie wollte.
Sie kam immer näher. Ich konnte nichts tun. Konnte nicht wegrennen. Konnte nicht um mich schlagen. Ich konnte nur hier in der Ecke sitzen, die Augen schließen, mich zusammenrollen und auf sie, und die damit verbundenen Schmerzen und Ängste, warten.
Und das tat ich. Eine ganze Weile. Ich hörte ihren röchelnden Atem, als bekäme sie schlecht Luft. Sie musste genau vor mir sein. Langsam und vorsichtig hob ich den Blick. Dort stand sie. Sie sah auf mich herab. Grinste mich an, mit Blut am Kinn. Langsam hob sie eine Hand. Sie streckte sie nach mir aus. Gleich würde sie mich schlagen. Ich zog den Kopf ein. Doch, der Schlag kam nicht
Ich sah wieder hoch. Ruckartig, legte ihre kleine Kinderhand direkt auf mein Gesicht. Sie war eiskalt. Und die Kälte zog sich durch jeden Faser meines Körpers. Mit einem Mal spürte ich all ihre Empfindungen. Angst, Enttäuschung und Verbitterung. Und am schlimmsten war der Zorn. Der reine Blinde Zorn auf alles Lebende. Nur Kinder waren in der Lage bedingungslos zu Hassen und zu Lieben. Ich wusste nicht, was ihr angetan wurde, aber es musste grausam gewesen sein. Ihr schrilles Lachen durchbrach die Stille. Sie genoss es, zu sehen wie ich unter den Gefühlen, die sie mir gab zusammenbrach. Und ich schrie. Ich schrie vor blinder Angst.

Und die da draußen sahen nur eine psychisch kranke Frau, die in der Ecke der Gummizelle saß. Mit einer Zwangsjacke. Sie sahen nur eine Kranke Frau, allein in einem weißen Raum, die schrie und schrie und schrie.

07 Juli 2010

Freitag der Dreizehnte

Heute morgen saß ich mit meiner Mutter, die heute ganz nebenbei ihren Vierzigsten feiert- für diejenigen die es interessiert, auf der Terrasse und unterhielt mich ganz nett mit ihr. Und plötzlich, wie aus dem Nichts schoss mir ein Satz durch den Kopf: Scheiße gelaufen, was?
Hab eine Weile darüber nachgedacht und mir eine Geschichte zusammengesponnen. Also hier habt ihr endlich mal wieder neuen Lesestoff! Viel Spaß!

Ich öffnete die Augen und blinzelte wegen der Morgensonne. Langsam stand ich auf, ich war noch so müde. Welchen Tag hatten wir heute? Ich sah auf meine Radiowecker: Freitag, der Dreizehnte Punkt, 09:00. Ich schlenderte ins Bad um mir die Zähne zu putzen. Moment?! NEUN UHR?! Ich hätte schon seit einer Stunde bei der Arbeit sein müssen. Verdammt! Ich rannte ins Bad, sprang unter die Dusche und putzte dabei meine Zähne. Das Wasser war eiskalt. Der scheiß Heizofen war mal wieder defekt. Naja wenigstens duschte ich unter den Umständen schneller. Ich sprang aus der Dusche und trocknete mich ab.Da ich so in Eile war, stieß ich mit dem Ellbogen gegen den Wandspiegel ,so dass er auf den Boden krachte und zerbrach! Jetzt musste ich auch noch die gottverdammten Scherben wegfegen, dabei war ich so spät dran. Wie sagt man so schön: sieben Jahre Pech. Das hatte mir noch gefehlt. Nicht das ich an so was glaubte. Alte Volksmärchen- lächerlich. Als ich aus dem Bad kam war es bereits zwanzig nach neun.

Ich gewährte mir, trotz des Zeitdrucks noch einen Kaffee, denn sonst würde ich in der Firma einschlafen. Ohne meinen morgenetlichen Kaffee war ich zu nichts zu gebrauchen. Ohne ihn war ich nur ein halber Mensch. Ich schüttete den Kaffee in mich hinein und verbrannte mir die Zunge. Echt ein toller Tag! Kann ja noch heiter werden.
Ich spurtete in die Garage, nur um festzustellen, dass das Auto nicht da stand wo es sein sollte.
Da fiel es mir ein, meine Frau hatte das Auto ja mitgenommen, weil sie mit unseren beiden Töchtern, 5 und 7 Jahre alt waren sie, zu ihrer furchtbaren Mutter gefahren war. Zu meiner Schwiegermutter. Wie ich diese Frau hasste. Immer nur am kritisieren. Und von Anfang an war sie gegen unsere Ehe gewesen, weil ich ja nicht gut genug war! So ein alter Hausdrache! Während ich mich über meine Schwiegermutter aufregte, rannte ich aus unserer Einfahrt auf die Straße. 5 km bis zur Arbeit. Das ging ja noch.
Ich rannte und rannte und wäre beinahe über die schwarze Nachbarskatze gestolpert die mir über den Weg lief. Verdammtes Ding. Erwähnte ich bereits, dass ich Katzen fast so sehr hasste wie meine Schwiegermutter? Nein? Nun jetzt ist es ja raus!
Verschwitzt kam ich beim Büro an. Im Foyer herrschte Chaos. Renovierungsarbeiten. Ich spurtete zum Fahrstuhl, mein Büro lag im 12 Stock- in der letzten Etage. Da nehme ich bestimmt nicht die Treppen!
Direkt unter der Leiter eines Malers hindurch, schlüpfte ich zum Fahrstuhl nur um festzustellen, das dieses verdammte Drecksteil defekt war?! Was sollte das denn?! Es ist ja schon eine Schande das es in einem Gebäude mit sage und schreibe 12 Stockwerken nur einen Fahrstuhl gab. Und dann war der auch noch kaputt?!

Freitag der Dreizehnte,der zerbrochene Spiegel, dieses schwarze Katzenvieh und ich bin unter einer Leiter hindurchgelaufen. Das bringt alles Pech. Angeblich. Aberglaube, Pah! Das ist was für Kinder und alte Damen. Ich war eben in Eile, da passieren Missgeschicke nunmal. Und das mit dem Fahrstuhl war Zufall. Ich würde mir gleich die Standpauke von meinem Lackaffe von Chef anhören und dann wie immer diesen Arbeitstag über mich ergehen lassen und Abends meine Frau und meine Kinder endlich wieder in die Arme schließen.

Also auf geht's zur Treppe.
Als ich endlich oben angekommen war atmete ich tief durch.War das anstrengend! Ich nahm mir vor mich wieder im Fitnesscenter einzuschreiben. Der Herr war auch mal sportlicher gewesen!
Als ich in mein Büro kam meinte Frieda, die Empfangsdame gleich:" Der Boss will dich sprechen. Er hat gesagt ich soll dich sofort zu ihm schicken, wenn du hier aufkreuzt."
Das konnte ja was werden! Also ich atmete noch einmal tief durch und ging zum Büro meines Chef's.
Er saß auf seinem Chefsessel und starrte mich Finster an, mit einer Hand wies er auf den leeren Platz gegenüber.
"Mein lieber Herr Kaiser", begann er: " Sind sie sich darüber im Klaren, dass sie in diesem Jahr bereits zum exakt vierzehnten mal zu spät kommen? Und erinnern Sie sich noch daran, wie ich Sie mit einer Engelsgeduld jedes Mal nur ermahnt habe. Ich bin wirklich ein großzügiger und toleranter Mensch Herr Kaiser, dass wissen sie."  Und ich dachte mir nur: Ja natürlich bist du das und ein ganz Wichtiger, das bist du auch, natürlich. Scheiß Lackaffe. "Doch nun mein lieber Herr Kaiser", setzte er fort: " Ist meine Geduld am Ende. Vierzehn grundlose Verspätungen kann und will ich in meiner Firma nicht dulden! Ich muss ihnen leider mitteilen, dass sie hiermit fristlos Entlassen sind. Auf Wiedersehen, Herr Kaiser. Bitte räumen Sie ihren Schreibtisch und dann verlassen Sie dieses Gebäude."
Völlig perplex verließ ich ohne ein Wort sein Büro. Das war doch wohl nicht sein ernst, elf Gottverdammte Jahre meines beschissenen Lebens mallochte ich bei viel zu geringem Gehalt, in der Firma dieses Sklaventreibers, und so dankte er mir? Dieser aufgeblasene Mistkerl wird schon sehen wie er ohne mich zurechtkommt!
Dann mach ich mir eben ein schönen Tag zu Hause, meine Frau müsste auch schon wieder da sein. Ich schlenderte nach Hause und verfluchte diesen Tag! Was sollte ich nun machen ohne Job. Die Zeiten waren verdammt schlecht. Wer weiß, wann ich etwas neues finden würde. Ach, das muss schon werden schließlich arbeitet meine Frau und wenn wir uns ein wenig einschränken reicht ihr Gehalt alle male.
Als ich endlich zu Hause ankam sah ich das Auto bereits in der Einfahrt vor dem Haus parken. Ich trat ein. "Linda?", rief ich: " ich bin schon zu Hause, Liebling!" Keine Antwort. Komisch. Ich hatte das Auto doch eben grade in der Einfahrt stehen sehen.Vielleicht war sie in der Küche. Dort angekommen fand auf dem Tresen einen blauen Zettel. Lindas Handschrift. Und ich begann zu lesen.




Lieber Frank,

es tut mir Leid, aber ich und die Kinder werden nicht mehr wiederkommen. Du kannst sie jedes zweite Wochenende zu dir nehmen. Wir haben uns einfach auseinander gelebt. Jeden Tag hast du Überstunden gemacht oder die Zeit in der Garage bei deinem Auto verbracht, du hast mich nie nach meinem Befinden gefragt und mich bei nichts unterstützt, was ich tat. Der Mann voller Leidenschaft und Liebe für mich, der Mann in den ich mich damals so verliebt hatte, der bist du Leider nicht mehr.
Ich war einsam Frank, also suchte ich mir die Liebe, die du mir nicht gabst bei einem Anderen. Und ich habe mich in ihn verliebt. Ich bin so glücklich mit ihm, wie ich es mit dir schon so lange nichtmehr gewesen war. Und die Mädchen mögen ihn auch.
Ich war nicht bei meiner Mutter, ich war bei ihm.
Es tut mir Leid, dass ich dich angelogen habe und es tut mir Leid, dass ich es dir so- per Brief, und nicht persönlich sage, aber ich kann dir nicht mehr vor die Augen treten. Ich habe nicht die Kraft dazu.
Wenn du ehrlich zu dir bist Frank, dann weißt du, dass wir nur noch wegen den Mädchen zusammen geblieben sind. Aber ich will glücklich sein Frank. Ich will mich nicht mehr länger aufopfern und um eine verlorene Ehe kämpfen.
Das Haus, das Auto- Alles überlasse ich dir. Meine Kleidung habe ich bereits abgeholt.Und die Sachen der Mädchen auch. Sei bitte nicht zu enttäuscht von mir. Ich hoffe, dass wir eines Tages wieder zusammen an einem Tisch sitzen können- Als Freunde. Und Frank, danke für die wundervollen Jahre und die zwei Töchter die du mir geschenkt hast!


Lebe Wohl
Linda




Ich schluckte. Das konnte einfach nicht Wahr sein. Warum? Ich las den Brief immer und immer wieder. In der Hoffnung, dass ich beim nächsten Mal etwas Anderes darauf lesen würde. Aber Fehlanzeige. Doch irgendwie konnte ich es immer noch nicht glauben. Linda, meine Linda. Wie konnte sie nur?
Ich ging hoch ins Schlafzimmer und sah in den Schrank. Tatsächlich, all ihre Sachen waren fort. Ich ging in Die Zimmer der Mädchen und fand genau, das selbe vor. Ein Zimmer. Ein lebloses Zimmer. Alles an persönlichen Gegenstände waren fort. Selbst die Musterzimmer in Möbelhäusern sahen belebter aus als diese Beiden.

Okay, ich glaube nun war ich in der Lage zu behaupten, dass dies mit Abstand der beschissenste Tag in dem Leben eines Mannes sei. Es konnte nicht schlimmer kommen.
In so einer Situation, gab es nur eines was ein Mann tun konnte. In die nächste Kneipe. Ja, der gute alte Alkohol. Der bleibt einem, egal was kommt. Wenigstens hatte sie mir mein Auto gelassen. Mein Baby, das einzige was ich noch hatte. Ein 2 Jahre alter BMW. Top Modell. Und ich hatte es gehegt und gepflegt wie meinen Augapfel.

Ich ging durch die Garage und lies das Tor hoch, um die Einfahrt zu betreten.
Liebevoll streichelte ich über die Motorhaube. Ich umrundete mein Baby. So eine Schönheit. Ich hielt inne als ich an dem Kofferraum ankam. Ich starrte ungläubig auf den hinteren Teil meines Autos. Ich hielt es nicht mehr länger aus. Ich konnte die Tränen nicht länger zurückhalten. Das hatte das Fass zum Überlaufen gebracht. Was hatte dieses Biest getan? Wie konnte sie nur? Mein Schätzchen, was hatte sie dir angetan? Hinten an der rechten Seite, war ein riesiger Kratzer im dunkelblauen Lack.

Ich war ein gebrochener Mann. Ich setzte mich auf den Gehsteig und lehnte mich an mein Wagen. Ja, vielleicht ist doch was dran am Freitag dem dreizehnten. Oder ich war einfach nur grundlos die ärmste Sau Deutschlands. Wer weiß.
Was für ein Tag. ich dachte es hätte nicht schlimmer kommen können.
Job weg, Frau weg, Kratzer im Lack. Und ich dachte nur: Scheiße gelaufen, was?

Buchtipp! Die verborgene Stadt

Hallöchen! Leider komme ich in letzter Zeit nicht dazu zu schreiben. Zu viel um die Ohren. Aber ich versuche heute mal wieder ein oder sogar zwei Geschichten zu Veröffentlichen. Ich habe schon viele Rückmeldungen bekommen,wofür ich sehr dankbar bin! Ganz besonders hat es mich gefreut, dass Uli Stein mal reingelesen hat! Und eine kleine Bitte, wenn ihr die Geschichten lest gebt mir doch bitte eine Rückmeldung, nur ein klitzekleines Kommentar, damit ich weiß was ich in Zukunft besser machen kann.     
Nun aber zum eigentlichen Thema dieses Post: Der Phantastikroman "Die verborgene Stadt- die Prophezeiung" von Vadim Panov! Dieses Buch habe ich ganz zufällig entdeckt und es hat mich sofort angesprochen.                                                                                                                    Seit ewiger Zeit existiert neben unserer Wirklichkeit eine zweite, magische Welt – die Welt der Werwölfe, Hexen und Magier. Und nach Jahrhunderten der Verfolgung durch die Menschen haben sich die magischen Geschöpfe an einen geheimen Ort zurückgezogen, durch mächtige Zauber vor den Augen der Bewohner Moskaus geschützt: die verborgene Stadt.    
Vadim Panov ist ein recht junger Autor aus Russland. Ich mag seinen Schreibstil sehr. Die Prophezeiung ist der erste Teil aus der Buchreihe um die verborgene Stadt. Es ist ein Phantastikroman von einer ganz anderen Art. Panov eröffnet eine ganz neue Welt. Klischees werden völlig außen vor gelassen. Für alle die wirklich gute Phantastikromane mögen ist dieses Buch ein muss!
Aber auch Leuten, die eher historische Romane bzw. Krimis mögen, ist dieses Buch zu empfehlen. Die "verborgene Stadt" existiert parallel zu Moskau. Sie hat ein ganz eigenes System mit 3 Herrscherhäusern. Kriege, Intrigen und Machtkampf. Und wie sich die Ereignisse in der verborgenen Stadt auf unsere Welt- also auf das Moskau, dass wir kennen, ausüben erfahren wir durch den reizenden Kommissar Andrej Kornilov, der versucht die rätselhaften Morde und Überfälle in Moskau aufzuklären. Der Autor nimmt verschiedene Sichten ein und erschafft für den Leser ein abenteuerliches Bild, der verborgenen Stadt!
Ein kleines Plus bekommt dieses Buch noch für die Namensgebungen, die wirklich raffiniert ist. Um auf diese Feinheiten aufmerksam zu werden, muss man jedoch des Russischen mächtig sein. Ein kleines Beispiel: der Bote, der nach einer Prophezeiung geboren werden soll, um die drei Herrscherhäuser abzulösen und als alleiniger Herrscher über die verborgene Stadt herrschen soll, heißt Lubomir. Was soviel wie: liebt den Frieden heißt. Auf solche Feinheiten stößt man beim Lesen immer wieder. Klasse!
Ich habe dieses Buch förmlich verschlungen und freue mich tierisch auf die Fortsetzung " Die verborgene Stadt- Das Opfer". Ich hoffe euch gefällt es auch!
                                                                                                                                                                         


                                                                                                                                                 

03 Juli 2010

Er.

Hallo meine Lieben. Ich habe ja schon zwei Tage nichts mehr veröffentlicht. Ich war die letzten Tage immer unterwegs und Abends dann Hundemüde.
Also habe ich mir ganz fest vorgenommen heute mal wieder etwas zu schrieben :).
Schon den ganzen Tag bin ich am Überlegen. Den ganzen Tag lang halte ich nach irgendetwas ausschau, das mich inspirieren könnte. Und wie es denn so immer ist, wenn man verkrampft nach einem Einfall sucht  kommt einfach keiner. Also habe ich es aufgegeben und mich mit einem Buch auf unser Sofa gelegt. Und plötzlich, siehe da: Eine Idee! Es kam über mich und ich habe sofort angefangen zu schreiben :). Aber vorher wollte ich noch eines klarstellen: "Ich möchte darum bitten, dass der Sprecher, das lyrische Ich, nicht verwechselt wird mit dem Autor. Überhaupt niemals den Autor für Inhalte verantwortlich machen." (Sebastian Krämer) Ich wünsche euch viel Spaß!

Schweißgebadet wachte ich auf. In meinem Zimmer war es dunkel, heiß und zu allem Überfluss auch noch schrecklich stickig. Erstmal duschen. Das war mein Erster Gedanke an diesem Morgen. Als ich aufstand und ins Bad schlenderte blickte ich auf die Uhr und musste feststellen, dass es genau genommen garnicht Morgen war, sondern eher Nachmittag. Fast 15:00 Uhr.
Ich hatte verdammt lange geschlafen. Leider Gottes fühlte es sich nicht so an. Mein Rücken tat höllisch weh, mein Nacken war verspannt und ich war Hundemüde, schrecklich.
Unter der Dusche drehte ich das Wasser sofort auf. Erfrischend kalt lief es über meinen Körper. Schlagartig wurde ich Putzmunter. Ich blieb länger als notwendig unter der Dusche.
Als ich dann endlich frisch und fertig angezogen aus dem Bad kam war es fast 16:00 Uhr.
Ich verspürte keinen Appetit, also lies ich das verspätete Frühstück ausfallen. Mit dem heutigen Tage wusste ich nicht so Recht etwas anzufangen.
Ich war heute nicht in der Stimmung etwas zu Unternehmen und allein zu Haus. Nach kurzem hin und herüberlegen setzte ich mich an den Computer um meine Nachrichten zu checken. Ich loggte mich überall ein, doch nirgends, weder in meinem E-Mail Postfach noch bei irgendeinem Messenger gab es etwas interessantes. Er hatte mir nämlich nicht geschrieben.
Mal wieder nicht. Das letzte Mal hatten wir vor einer Woche Kontakt. Vor einer ganzen Woche. Ich überlegte ob ich ihm schreiben oder anrufen sollte, aber verwarf den Gedanken. Was wenn ich ihm auf die Nerven ging? Was wenn er froh war seine Ruhe vor mir zu haben? Oder noch schlimmer, was wenn er keinen Gedanken an mich verschwendete, während ich es den ganzen lieben langen Tag tat?
Mit der Zeit würde sich alles zeigen und es ging weiter ob mit oder ohne ihn. Lass ihn Mädchen, sagte ich mir. Du bist doch ne Hübsche, kannst noch genug andere Kerle haben. Wenn er dich nicht will wird er schon noch sehen was er davon hat. 
Hübsch war ich in der Tat und die Männer standen förmlich Schlange. Geschenke, Liebesbekundungen. Verzeiht den Ausdruck, aber die Kerle rissen sich förmlich den Arsch auf um meine Gunst zu erwerben.
Aber ich wollte natürlich gerade den Einen, der sich anscheinend einen Dreck um mich schert.
Das imponierte mir, irgenwie. Natürlich war er nett zu mir, wir waren ja auch ganz gut befreundet. Aber er war eben nur nett zu mir. Nicht weniger, aber Leider auch nicht mehr.
Naja das stimmte so nicht ganz. Einmal, da hatte er Interesse gezeigt. An einem Tag, waren wir alleine in seinem Zimmer. Nur wir Zwei. Er sah mich die ganze Zeit an. Dann zog er mich zu sich aufs Bett und küsste mich. Fordernd, voller Leidenschaft. Ich bin noch nie zuvor so geküsst worden.
Lange Zeit lagen wir dort auf dem Bett und küssten uns, doch weiter gingen wir nicht. Als er mich dann nach Hause brachte benahm er sich wie immer, als ob nie etwas gewesen wäre.
Und dabei blieb es auch, er sprach mich nie wieder auf diesen Tag an und  wenn ich es tat blockte er ab und versuchte das Thema zu wechseln. Als ob es ihm peinlich wäre.
Und genau deshalb wollte ich ihn. Weil er mich anscheinend nicht wollte. Jeder andere Mann den ich bis jetzt geküsst hatte, wollte mich dannach und belästigte mich Tag und Nacht. Aber er nicht. Er war anders. Zum ersten Mal hatte ich Interesse an einem Mann und nicht er an mir. Zum ersten Mal war es anders herum. Zum ersten Mal wurde ich zurückgewiesen.
Ich wollte ihn wirklich. Je öfter ich an ihn dachte um so mehr wurde mir dies bewusst. Ich hatte ihn schon immer für seinen Intellekt bewundert und unterhielt mich gerne mit ihm. Und hübsch war er, das stand außer Frage. Aber es gab auch andere hübsche Kerle. Nur er hatte etwas an sich. Er war mehr.Es ging weit über Sympathie oder erotisches Interesse hinaus. Das war mir klar. Nur ich wusste nicht was es war.

Eine gute Freundin war der Meinung, dass ich mich verliebt habe. War das der Fall? War ich zum ersten Mal verliebt? Ich wusste es nicht und wollte auch nicht darüber nachdenken, weil ich dann unvermeidlicher Weise auch an ihn denken müsste und das wollte ich nicht. Abgewiesen zu werden ist kein schönes Gefühl. Es tut ziemlich weh und kratzt ganz schön am Ego.
Aber davon, von Selbstbewusstsein, hatte ich eine gesunde Portion. Und daran konnte selbst er nichts ändern.
Um auf andere Gedanken zu Kommen ging ich nach draußen. Wir hatten eine schöne Terrasse und einen gepflegten Garten. Und der Ausblick war herrlich. Man sah direkt auf einen See.
Ich nahm blind ein Buch aus dem Regal und legte mich auf eine Liege.
Wie lange genau ich dort, auf der Terrasse lag und las wusste ich nicht. Aber es musste schon eine Weile gewesen sein, denn langsam wurde das Licht schlechter und ich beschloss gleich hinein zugehen, damit ich mir die Augen beim Lesen nicht kaputtmachte.

Vor dem Haus hörte ich Schritte. Ich dachte zuerst, dass meine Eltern heimgekommen wären, doch dann fiel mir ein, dass die Beiden für eine Woche an der Ostsee waren. Ich hielt inne und lauschte noch ein Mal hörte jedoch nichts mehr. Das hatte ich mir wahrscheinlich bloß eingebildet. Ich senkte meine Blick wieder um weiter zu Lesen, als plötzlich ein Schatten auf meinem Buch lag.
Ich sah auf und vor mir stand er. Ich rieb mir die Augen aber er verschwand nicht. Er stand da. Direkt vor mir und blickte auf mich hinab.
Stumm streckte er mir die Hand hin und ich griff ohne zu überlegen nach ihr. Er hievte mich hoch und fing mich auf, da ich durch den Schwung ins stolpern geriet. An seine stattliche Brust gedrückt standen wir da. Dann schob er mich eine Armeslänge von sich und sah mir in die Augen.
Dieser Blick. Dieser ganz Besondere Blick.
So hatte er mich damals, bevor er mich geküsst hatte auch angesehen. Ich hoffte innerlich, dass er es heute- jetzt- wieder tun würde. Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Er küsste mich lange und zärtlich und ich erwiderte seinen Kuss. Und als wir uns voneinander lösten um nach Atem zu schnappen legte er seine Stirn an meine.
Die Sonne ging langsam unter und wir sahen uns nur an. Lange. Und obwohl wir nichts Anderes taten, uns nur anschauten war es der innigste Moment meines Lebens. Er küsste mich nocheinmal. Kurz aber zärtlich.
Und ohne nachzudenken, rein intuitiv kam es über meine Lippen: " Ich liebe dich."
Er lächelte doch antwortete nicht. Leicht enttäuscht fragte ich dann:" Wollen wir reingehen, wird langsam frisch hier draußen."
Er nickte und wir betraten das Haus. Er blieb über Nacht und den ganzen Abend saßen wir auf der Couch und redeten. Über belanglose Dinge. Ich fragte nicht wieso er gekommen war, obwohl es mich brennend interessierte. Er sagte nichts zu meiner Liebeserklärung.
Ich ging hinauf um mich Bettfertig zu machen und legte mich darauf in mein  Bett.
Enttäuscht. Enttäuscht und müde, das war ich.
Ich war schon im Halbschlaf als er in das Zimmer kam und sich einfach zu mir ins Bett legte. Mit großen Augen starrte ich ihn an und er zog mich nur an seine Brust und flüsterte: "Ich liebe dich auch."
Arm in Arm schliefen wir ein. Glücklich und geborgen.
Es war das erste Mal, dass wir so einschliefen, aber ganz gewiss nicht das Letzte.

30 Juni 2010

Hagebuttentee

Hier mal wieder eine Kurzgeschichte, die aufgrund des Deutschunterrichts entstanden ist. Ich mag sie relativ gerne. Ich find sie ist ganz gut geworden, worüber ich mich sehr gefreut habe, denn wenn ich ganz ehrlich bin kann ich mit Trümmerliteratur nicht viel anfangen und intressiere mich auch nicht sonderlich dafür. Wir hatten wie immer Vorgaben gehabt. In der Geschichte sollte es um eine Frau mit einem Kind gehen, während das offizielle Kriegsende verkündet wird. So nun seht was ich daraus gemacht habe. Viel Spaß!



Der Teekesseln pfiff und das Radio lief schon den ganzen Tag. Sie ging in die spärlich eingerichtete Küche, sie war klein aber ordentlich. An sich eine ganz normale Küche bis auf den riesigen Kronleuchter der von der Decke hing, sie hatte ihn von ihrer Großmutter geerbt.
An ihrem Rockzipfel hing ein kleiner Junge. Sie hob ihn hoch und gab ihm einen liebvollen Kuss auf die Wange. „Friedrich, ach mein kleiner Mann gleich geht’s aber ab in die Haia!“ „Aber Mutter“, protestierte der Kleine mit einem Deut auf die Küchenuhr: „Es ist erst sechs Uhr- erst sechs Uhr Mama und ich bin schon groß.“ Sie lächelte ihn nur an und meinte: „ Mein Schätzchen auch große Jungs und kleine Männer müssen ausgeschlafen sein.“ Seinen quengelnden Protest überhörte sie gepflegt. Während sie aus dem Küchenfenster auf die Straße blickte, dachte sie an ihren Mann. Sie dachte daran wie glücklich sie waren als sie sich kennenlernten, an ihrem Hochzeitstag. Sie erinnerte sich an den Tag vor 8 Jahren, an dem ihr Sohn zur Welt kam und sie endlich eine kleine Familie waren. Das waren die Erinnerungen an schöne, glückliche Momente. Sie dachte aber auch an den Tag als ihr Mann zur Front bestellt wurde. An dem Tag als er sich von ihr verabschiedete und sie in den Arm nahm, hatte sie geahnt, dass es das letze mal war, die letzte Gelegenheit ihn in die Arme zu schließen. Sie hatte es geahnt, damals. Heute wusste sie, dass sie Recht gehabt hatte. In den letzten Jahren, den Jahren des Krieges, fielen so viele Männer, darunter auch der Mann ihrer Schwester und dennoch hoffte sie bis zu dem gestrigen Tage, dass ihr Mann unbeschadet zu ihr und ihrem Sohn zurückkehren würde. Bis zum gestrigen Tag.
Was hatte dies noch für einen Sinn. Dieser Krieg, Nein mittlerweile war es ein Morden. Und es dauerte schon viel, viel zu lange. Sie wollte es nicht länger mit ansehen, nun da sie noch nicht einmal mehr hoffen durfte. Sie wollte und sie würde es auch nicht länger mit ansehen. Sie riss sich aus ihren Gedanken. „Mama bringt dir gleich noch einen Tee und sagt dir gute Nacht mein Schätzchen!“, rief sie ihrem Sohn hinterher, der bereits im Flur war und in Richtung Kinderzimmer schlenderte. Schwermütig sah sie ihm nach, bis die Tür des Kinderzimmers hinter ihm ins Schloss fiel und ihr die Sicht auf ihren Sohn verwerte.
Dies waren doch keine Bedingungen für ein Kind um aufzuwachsen! Ohne Vater, den Krieg vor den Augen. Für ihn wurden diese Gräueltaten zur Normalität. Sie gehörten für ihn zum Alltag. Aber er kannte es ja auch nicht anders. In der Schule lehrte man den Kindern den Judenhass und überall war das Regime und prägte die Meinungen der Menschen. Ihm ins Gewissen zu reden half nicht viel, solange das Regime allgegenwärtig war. Ihr Sohn sollte in einem friedvollen Land leben. Frieden. Nur im Moment gab es den Nirgends. Noch war ihr Junge nicht verdorben und sie würde nicht zulassen, dass es dazu kommen würde.
Sie goss das heiße Wasser aus der Kanne in eine Tasse. Friedrichs Lieblingstasse und nahm einen Beutel Tee aus dem Hängeschrank. Hagebuttentee. Sein Lieblingstee. Während der Tee zog, ging sie in den Flur zu ihrer Handtasche. Sie hatte sich vor zwei Wochen nicht um sonst Abends mit dem undurchsichtigen Kerl getroffen . Und gut bezahlt hatte sie ihn in der Tat. Sie hatte es vor sich hergeschoben, schon länger mit dem Gedanken gespielt, alles vorbereitet aber sie war noch unsicher gewesen. Bis zum gestrigen Tage. Doch nun hatte sie einen Entschluss gefasst. Sie würde es tun, es würde passieren. Nun da die Dinge ihren Lauf nahmen, war es unvermeidlich.
Sie holte etwas aus ihrer Handtasche, etwas kleines sie hielt es nämlich in der geschlossenen Faust und ging zurück in die Küche. Sie nahm den Teebeutel aus der Tasse gab zwei Löffel Zucker hinzu, wie Friedrich seinen Tee am liebsten hatte, und lies den Inhalt ihrer Faust ebenfalls in die Tasse plumpsen. Nun rührte sie nur noch um bis alles sich aufgelöst hatte und ging mit der Tasse in der Hand in Friedrichs Kinderzimmer. Als sie rein kam saß ihr Sohn bereits im Pyjama auf dem Bett, die Decke über die Knie gezogen. „Guck mal mein Schatz, hier ist Mami auch schon und sie hat dir deinen Lieblingstee, Hagebutte, in deiner Lieblingstasse, der gelben mit dem Hündchen drauf, mitgebracht. Nun trink deinen Tee aus und dann ab ins Bett.“ „ Aber Mama“, nörgelte er „es ist doch noch so früh, sonst darf ich doch auch bis acht Uhr wach bleiben.“ „Ja Liebling ich weiß, aber heute ist ein ganz besonderer Tag und wenn du deinen Tee auch ordentlich und fix austrinkst, hat Mami morgen auch eine Überraschung für dich.“ „EINE ÜBERRASCHUNG?“, seine Kinderaugen glänzten. Genau das war er. Ein Kind. Er war noch ein Kind, leichtgläubig und unschuldig. Sie zog ihn mit hinein, fasste für ihn einen Entschluss, das wusste sie, aber wenn sie es nicht tat würden es die Anderen tun. Er hatte nie die Chance gehabt selbst zu entscheiden. Er trank seinen Tee mit großen Schlucken leer und verbrühte sich leicht die Zunge. „ Verschluck dich nicht mein Schatz!“. Kurz darauf drückte er ihr die leere Tasse in die Hand. Bis auf das letzte Tröpfchen  hatte er sie leer getrunken. „Gut gemacht mein Kleiner.“, sie tätschelte seinen Kopf und drückte ihn zurück in sein Kopfkissen, deckte ihn zu und gab ihm abschließend einen Kuss. „ Schlaf gut mein Schatz, Mami hat dich lieb! Du bist das beste was mir je passiert ist! Vergiss das nicht.“ Dass ihr bei diesen Worten Tränen in die Augen stiegen, sah er nicht. „ich dich auch Mutter.“, war seine Antwort, fast direkt danach schlief er ein. Sie gab ihm einen letzten Kuss. Sie hatte es getan, unwiderruflich, es war besser so.
Nun hielt sie nichts mehr hier. Sie stand auf, warf einen letzten Blick auf ihren Sohn und verließ das Zimmer. Als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel, hörte Friedrich auf zu Atmen. Entschlossenen Schrittes ging sie durch den Flur in die Küche. Das Radio hatte sie nicht ausgestellt. Es lief immer noch.
Sie Griff unter die Spüle in einen Karton, den sie dort vor fast zwei Wochen deponiert hatte. Sie holte einen Strick aus diesem und befestigte das eine Ende an ihrem Kronleuchter. Die Schlaufe hatte sie sich binden lassen. Unter dem Strick platzierte sie einen Hocker. Sie stellte sich auf ihn und legte sich die Schlinge um den Hals. Sie atmete ein letztes Mal tief durch und ihr kamen hielt kurz inne. In dem Moment brach das Lied das im Radio lief abrupt ab. Das war ein Zeichen. Mit einem Fuß stieß sie den Hocker um. Nun baumelten ihre Füße über dem Boden. Sie zuckte und röchelte und das letzte was sie hörte war das Radio, aus dem ein Sprecher das offizielle Ende des Krieges verkündete. 

29 Juni 2010

Bildschön.

So und hier kommt der eigentliche Post. Ich habe auf Uli Stein's Homepage diese geniale Bild gefunden. Ich fand es auf Anhieb super und mir sind sofort Ideen gekommen.
Eigentlich hatte ich vor heute einen anderen Post zu veröffentlichen. Es war ein Tagebucheintarg, der auf einem Bild basiert, das mir ein guter Freund geschickt hat. Aber dann ist mir aufgefallen, dass ich bis jetzt nur bedrückende oder melancholische Texte reingestellt habe und da der Tagebucheintrag sowohl traurig als auch tiefgründig ist habe ich mich entschlossen ihn später zu veröffentlichen. Dieses Mal wollte ich etwas fröhliches, vielleicht sogar Romantisches schreiben.
Also habe ich ein bisschen im Internet gestöbert, da ich unbedingt ein Text zu einem Bild schreiben wollte und bin, wie schon sehr häufig, bei den Fotografien von Uli Stein fündig geworden. Also viel Spaß beim Lesen!


Die Tür fiel hinter mir ins Schloss. Ich warf meine Tasche auf den Boden und sah auf die Wanduhr im Flur. Punkt 19:00. So spät kam ich jeden Tag Heim, wenn ich zur Uni musste. Stino, meine treuer Schäferhund kam gerade angelaufen um mich zu Begrüßen und mich zu einem langen Spaziergang zu Nötigen. Es war ein warmer Apriltag, der 13 um genau zu sein und ich beschloss ihm den Wunsch zu erfüllen und die große Runde zu gehen.
Ich liebte meinen Hund über alles und verweigerte ihm nur bei strömenden Regen sein Anrecht auf Auslauf.

Ich schnappte mir die Leine und wir machten uns auf den Weg. Unsere Runde führte aus dem ruhigen Dörfchen, in dem ich nun schon seit meiner Geburt, seit ganzen 25 Jahren lebte, zu einem kleinen See. Der Weg dauerte ca. ein-einhalb Stunden.
Am Dorfrand stand ein altes Haus, dass damals, als es noch gepflegt gewesen war einfach traumhaft gewesen sein musste. Seit ich zurückdenken konnte stand es leer. Es war wunderschön, aus rotem Klinker und mit Efeu bewachsen. Der Garten war verwildert, voller Unkraut und rechts neben dem Eingang stand eine riesige Tanne, die ihren Schatten auf das Haus warf, was es noch unheimlicher erschienen lies. Auch wenn es verwahrlost war hatte es seinen ganz eigenen Glanz. Für mich war dieses Haus immer etwas magisches gewesen. Es war geheimnisvoll und es kursierten die wildesten Erzählungen und Geschichten darüber, weshalb es so lange leer stand.
Doch als ich und Stino heute an dem Haus vorbeikamen, war etwas anders. In dem Haus ganz oben im Dachgeschoss brannte ein schwaches, aber dennoch klar erkennbares Licht. Ich ging an den Rand des Grundstückes, neugierig war ich schon immer gewesen, schon als Kind. Doch nun hatte ich um einiges mehr an Mut gewonnen und trat ein. Stino war ja schließlich noch bei mir. Auf ihn war schon immer Verlass gewesen.
"Hallo?", rief ich, als ich eintrat: "Ist hier Jemand?". Keine Antwort.
Ich blickte verunsichert zu Stino. Er stand neben mir und sah ängstlich aus, wie er an meiner Seite mit eingezogenem Schwanz kauerte. Ich sah mich um. Ich war zum ertsen Mal in diesem Haus, obwohl ich es mir schon zig mal vorgenommen hatte. Im Haus war es düster, nur noch die Abenddämmerung schien durch die verstaubten Fenster. Es war unheimlich. Ich stand in einem kleinen, eignestaubten Flur voller Spinnweben. Alte verstaubte Gemälde hingen an den Wänden.
Eine wuchtige, prunkvolle Treppe führte ins erste Obergeschoss. Ich musste mich beeilen, wenn ich nicht im Dunkeln auf dem Feldweg, sondern wieder im Dorf sein wollen würde. Ich setzte einen zaghaften Schritt auf die erste Treppenstufe, die zwar leicht knarrte aber ansonsten sehr stabil zu sein schien.
Ich raffte meinen Mut zusammen und stieg die steilen Stufen nach oben.

Über mit befand sich nun die Luke zum Dachboden. Sollte ich sie aufmachen? Nun, da ich schon mal hier war, konnte ich es auch wagen.  In einer Ecke im oberen Flur stand der Stab um den Eingang zu öffnen. Ich wischte mit der Hand die Spinnweben weg und nahm ihn. Also dann. Mal sehen woher das Licht kam.
Wieder direkt unter der verschlossenen Öffnung atmete ich noch ein Mal tief durch, schob alle Befürchtungen und Bedenken bei Seite, blickt noch einmal zu Stino um Mut zu finden und hackte den Stab in die Öse. Ich zog kräftig daran und mit einem lauten Knirschen und unter einem Staubregen öffnete sich die Luke zu dem Dachgeschoss. Das Licht, dass ich von draußen gesehen hatte, erhellte nun auch den Flur auf dem ich stand.
Ich zog die Klappleiter herunter und stieg darauf. Sie war sehr unsstabil und die Schrauben waren bereits eingerostet. Vorsichtig stieg ich hinauf, während Stino unten blieb.

Der Dachboden war riesig. Überall lagen Dinge. Alte Koffer, Gemälde, Spieluhren. Und überall waren Kisten mit weißen Tüchern bedeckt. Das Licht schien keinen Ursprung zu haben. Egal wohin ich blickt egal welche Sichtweise ich an nahm. Egal wie ich es drehte und wendete. Ich konnte keine Quelle ausmachen.
An einem Stützpfeiler lehnte etwas, dass in ein riesiges Tuch gehüllt war. Nur war dieses Tuch nicht weiß, sondern blau mit schönen goldenen Schnörkeln. Es sah aus als befinde sich ein riesiges Gemälde darunter.
Ich schritt darauf zu um festzustellen was sich dort verbarg, als ich hinter mir Schritte auf dem Holz vernahm.
Langsam drehte ich mich um.
Plötzlich berührte etwas meine Schultern. Ruckartig drehte ich mich wieder in die andere Richtung. Hinter mir stand ein Mann. Und was für einer. Er war Bildschön. Er entsprach meinem ganz persönlichen Schönheitsideal. Er war groß mindestens 1,90 m und hatte rabenschwarzes ,schulterlanges Haar, dass er provakant, was ich unheimlich sexy fand, offen trug. Seine Gesichtszüge waren markant und ebenmäßig, einfach perfekt. Und im Kontrast zu seinem schwarzen Haar stand seine helle Haut. Eisblaue Augen hatte er die nur so hervorstachen und einen gefangennahmen. Sie fesselten einen und man versank in ihnen. Er trug eine schwarze Hose, mehr nicht. Und man kann sagen, dass Adonis neidisch auf diesen Körper gewesen wäre jeder Muskel war durchtrainiert und das in einem perfekten Masse. Er war einfach nur Bildschön.
Meine Knie wurden weich. Ich war immer schon ein hübsches Mädchen gewesen. Und bekam in der Pubertät eine weibliche Figur mit einem sehr üppigen Busen, weshalb viele Männer hinter mit her waren, aber ich hatte noch nie einen Mann gesehen der so bildschön war.
Er umfasste mit einer Hand mein Gesicht und ich schmiegte mich in diese. Tief , tief sah er mir in die Augen und sein Blick hielt mich gefangen. Meine Brust schnürte sich zu und ich sah, wie sein Gesicht dem meinen immer näher kam.
Kurz bevor unsere Lippen sich berührten hielt er inne und flüsterte: " Du bist Bildschön, Traumfrau. Küss mich!" Seine Stimme gab mir den Rest. Sie war tief und männlich, hatte etwas animalisches. Sein süßer Atem stieg mir in die Nase. Und sein Blick war hungrig. In ihm lag eine natürliche Gier. Und ich wusste was er wollte. Mich. Noch nie hatte ich mich so weiblich und begehrt gefühlt. Wer war dieser Fremde? Und was machte er mit mir?
Ich lies alle Bedenken fallen, drängte meinen gesunden Menschenverstand, der schrie, dass etwas nicht stimmte in die hinterste Ecke meines Bewusstseins und küsste ihn. Erst zaghaft, dann immer wilder. Ich öffnete meinen Mund seiner fordernden Zunge, die sogleich begann mit meiner zu spielen. Sie sanft zu umkreisen und immer wieder zu umschlingen. Er schmeckte so süß.
Der Kuss wurde immer wilder. Und mein Denken immer primitiver. Ich wollte ihn. Ich spürte die aufsteigende Hitze zwischen meinen Schenkeln und merkte das ich bereit war. Noch nie hatte ein Mann es so schnell, mit nur einem einzigen Kuss bei mir geschafft.
Ich drängte mich näher an ihn und streichelte über seine harte, durchtrainierte Brust hinunter zu seinem Bauch. Ich wollte weiter herruntergehen, als seine Hand die meine packte und somit genau dies verhinderte.
Er sah mich lange an und gab mir dann einen zärtlichen Kuss, der nichts mehr von diesen natürlichen Verlangen hatte. So schnell die Stimmung aufgekommen war, so schnell verebbte sie wieder.
Dann sah er mich wieder an. Und je länger er das tat umso klarer wurde mein Verstand. Ich ließ wieder zu, dass ich dachte.
Erst jetzt fiel mir auf dass, seine Haut eiskalt war. Und als er mich berührt hatte stand er plötzlich vor und nicht hinter mir. Irgendetwas war falsch.
"Wer bist du?", fragte ich zaghaft und meine Stimme klang seltsam leise und gebrochen, was sehr untypisch für mich war. Ich räusperte mich und fragte nocheinmal, doch diesmal mit einer festeren Stimme: "Wer bist du?",
Er gab mir nur ein Buch in die Hand. Woher er es hatte wusste ich nicht. Ich schlug es auf und es traf mich wie ein Schlag. Auf der ersten Seite war ich abgebildet. Also eine Frau die aussah wie ich. Nur in altertümlicher Kleidung und mit blondem Haar,anstatt schwarzem. Oben stand ein Datum : 13.April.1610.

Ich blätterte um und auf der nächsten Seite war ein Bild von dem Mann vor mir, nur, dass auch er blondes Haar hatte und andere Kleidung trug. Das Haar war auf der Abbildung zurückgebunden, aber die Augen und das Gesicht waren ein und dasselbe.
Fragend blickte ich ihn an. "Was...?", doch er unterbrach mich und deutete nur auf das verhangene Bild.
Ich trat darauf zu und hob das Tuch an. Es war ein Portrait in Lebensgröße. Er war darauf zu sehen. Er und Ich. genauso wie wir beide noch vor wenigen MInuten hier gestanden hatten. Mit der selben Kleidung. Arm in Arm.
Lange starrte ich es ungläubig an. Dann trat er hervor und schob das riesige Portrait zu Seite um mir die Sicht auf das Dahinterliegende zu gewähren. Es waren die beiden Leute aus dem Buch, genauso verschlungen wie ich und der Mann auf dem anderen Portrait.
Ich nahm das Buch wieder zur Hand. "Sind das die ehemaligen Hausbesitzer?" fragte ich. Er nickte." Und du und er", er deutete auf das Portrait: " ihr seid die neuen. Die alten Seelen wiedergeboren in einem neuen Leibe."
"Was?", das klang total kindisch. Ich habe noch nie an Geister geglaubt
"Als das Haus gebaut wurde stritten sich die beiden Brüder um ein Weib. Sie wurde von ihrem Vater missbraucht und hatte Angst. Der eine baute dieses Haus und versprach ihr damals, dass außer ihr und ihm niemals jemand dieses Haus betreten würde und dass sie hier sicher sei. Und so entschied sie sich für ihn. Bis ihre Seelen wiedergeboren werden würden sollte niemand dieses Haus betreten. Eindringlinge wurden seither vertrieben. Das Haus sucht sich seine Bewohner aus."
"Das ist ja wohl lächerlich! Sie sind ein kranker Psychopath", noch während ich ihn ansschrie verschwand er. Lange noch blickte ich auf die Stelle an der er gerade noch gestanden hatte. Gerade war er noch da gewesen. War ich verrückt geworden?
Ich stieg die Leiter hinab. Völlig perplex.
Ich musste mir den Kopf gestoßen haben oder hatte Halluzinationen von der schlechten Luft, ich überlegte nocheinmal hochzugehen und nach dem Bild zu sehen oder nach dem Buch zu suchen doch ich verwarf den Gedanken. Ein Tagtraum war es gewesen, mehr nicht.Nur ein Tagtraum
Stino wartete an der Treppe auf mich und gemeinsam verließen wir das Haus wieder und machten uns auf den Heimweg. Ich dachte nicht weiter über das Geschehnis auf dem Dachboden nach. Es war zu verwirrend. Darüber nachzudenken bereitete mir Kopfschmerzen.

Eine Woche später, war das Ereignis schon fast vergessen.
Als ich Abends mit Stino meine tägliche Runde drehte, stand vor dem Haus ein Umzugswagen. Ein Umzugswagen und ein Mann, der den Möbelpackern Anweisungen gab. Ich sah nur seinen Rücken. Die Neugierde packte mich. Wer war er?
Ich schritt auf ihn zu und tippte ihn an. Langsam drehte er sich um und er sah haargenau so aus wie der Mann auf dem Dachboden. Genauso. Bildschön. Mir stockte der Atem. Aber das war doch nicht wirklich geschehen oder? Er lächelte mich an als würde er mich kennen. Ein "Hi! war das Einzige was ich zu stande barchte. Er lächelte nur und flüsterte, mit der mir nur allzu gut vertrauten Stimme:" Du bist Bildschön, Traumfrau."

28 Juni 2010

Uli Stein

Okay also, dieser Post ist einfach mal so für Zwischendurch :). Viele meiner Texte werden von den grandiosen Bildern von Uli Stein inspiriert. Dies hier ist mein Lieblingsbild. Es war quasi meine Muse als ich "Ertrinken"schrieb. Seine Bilder sind wirklich immer Klasse und sein Notizbuch total lustig. Also schaut ruhig mal rein! Lohnt sich echt! http://www.ulistein.de/

Es war einmal... und ist nicht mehr

Ich habe im Internet dieses nette, kleine Gedicht gefunden.

Es war einmal und ist nicht mehr,
ein kugelrunder Teddybär.
Er trank die Milch und aß das Brot
und als er starb, da war er tot.

An sich kein sehr anspruchsvolles Gedicht, aber recht einprägsam. Und je öfter ich es mir vor Augen geführt habe, umso mehr ist mir der erste Vers aufgefallen. Dieser ist an sich, ohne den Rest des Reims, sehr gehaltvoll und tiefgründig, meiner Meinung nach. Und durch die Einfachheit der Aussage bietet es einen extrem großen Spielraum. Mir kamen schließlich auch zig Ideen und ich war der Meinung, dass eine Kurzgeschichte oder ein Gedicht unpassend seien, also sinniere ich ein bisschen über diesen Satz.

Es war einmal und ist nicht mehr. Dieser Satz so kurz und doch so eine große Bedeutung. Nur dieser eine Satz ging mir durch den Kopf. Und jedes mal traf es mich. Den ganzen Tag dachte ich nun schon daran. Es war einmal und ist nicht mehr. Dieser Satz kann soviel bedeuten.
An sich sagt er Alles. Egal was es ist, unabhängig davon wie schön oder schrecklich die Zeit war, wie falsch oder richtig Dinge einem erscheinen, früher oder später enden sie. Früher oder später endet Alles. Manche sind der Meinung das Alles und jeder Einzelne von uns Teil etwas Großen ist. Nur, da wir irgendwann aufhören zu existieren, tut es dieses unbekannte "Große" früher oder später auch. Wir früher, es später. Also wo soll dann der Sinn bei diesem "Gottesplan" sein.
Genau das ist die Frage. Wozu soll man versuchen irgendetwas zu Erreichen, wozu dient dieses beschränkte Dasein. Manche wollen auf ihr Leben zurückblicken und sagen können: "Ich habe gelebt und ich hatte ein schönes Leben." ,aber letztendlich ist es vorbei und im Tod hat man nichtmal mehr die Erinnerung.
Andere wollen, dass Freunde und Familie sich gerne an sie zurück erinnern. Aber wozu? Man selbst bekommt nichts mehr davon mit und mit den Zurückgebliebenen stirbt auch die Erinnerung.
Wieder Andere wollen berühmt und auch nach ihrem Tode noch in aller Munde sein. Aber wozu? Wozu? Kriegt man in seinem Grab mit, wie andere über einen Selbst und seine großen Taten und Erfolge reden? Kann man sich in seinem Ruhm von vergangenen Tagen sonnen, wenn man im Grabe langsam verwest? Am Ende zerfällt auch der Körper zu Staub und nichts zeugt mehr davon, dass man eine Legende und kein Mythos war.

Sicher, manche glauben, dass die Seele, die natürliche Essenz, unser ganzes Sein oder wie auch immer man es nennen mag hier auf Erden bleibt oder in höhere Sphären steigt. Einige die dem Tod nur knapp entgangen sind behaupten ein helles Licht, den Eingang zum Nirvana gesehen zu haben. Vielleicht haben sie es gesehen, es ist sogar recht wahrscheinlich, aber man sollte bedenken, dass sie es eventuell nur gesehen haben, weil sie es sehen wollten.
Weil der Gedanke, dass es nach dem Tode endgültig vorbei ist einerseits zu schrecklich zu Ertragen ist, da es schwer ist sich selbst seiner Bedeutungslosigkeit bewusst zu werden. Andererseits zerstört diese Vorstellung Werte und Normen auf denen unsere Weltreligionen aufbauen.
Also ist unsere ganze Existenz wirklich sinnlos? Weil sie endet? Natürlich liegt die Beantwortung dieser Fragen bei jedem selbst. Und natürlich kann keiner wissen, was nach dem Tode ist und ob dieses Leben verwerflich ist. Es ist alles nur Vermutung, Vermutung von Vermutungen um genau zu sein. Doch was heute Vermutung ist, kann morgen schon Geschichte sein. Denn für Alles gilt irgendwann: Es war einmal und ist nicht mehr.

27 Juni 2010

Ertrinken


So meine Lieben, damit ihr gleich mal was zum Lesen habt, habe ich eine Kurzgeschichte von mir rein gepostet. Sie ist aufgrund einer Deutschhausaufgabe entstanden, die mir sehr viel Spaß gemacht hat. Zu unseren Vorgaben gehörten: Das Symbol "Weg"; Eine Metapher mit "Feuer und Eis"; viele Personifikationen und der reizende Einleitungssatz "Er/Sie blieb allein zurück. Also schaut euch an was ich daraus zusammengeschrieben habe.

 Sie blieb allein zurück. Hier, an der Kreuzung. Das Letzte woran sie sich erinnern konnte war, dass sie in ihrem Auto saß und vor ihr, direkt auf der Kreuzung, lag ein umgekippter LKW. Sie raste auf ihn zu... Und dann fand sie sich hier, an der Kreuzung, wieder doch der LKW war weg, genauso wie ihr VW-Käfer. Sie drehte sich um und sah ihn. Er ging fort, warum wusste sie nicht, doch sie ließ es geschehen. Sie konnte nichts dagegen tun. Ihre Beine verweigerten den Dienst, sie wollte schreien, rufen er solle stehen bleiben, doch sie blieb stumm. Das Einzige was sie tun konnte war ihm Sehnsuchtvoll hinterher zu sehen.
Sie dachte daran wie unterschiedlich sie waren, so unterschiedlich wie Feuer und Eis. Sie, so aufbrausend wie die alles verzehrende Flamme. Voller Leidenschaft bei Allem was sie tat. Er, kühl und still, so undurchsichtig wie ein zugefrorener See, wunderschön und geheimnisvoll. Und dennoch liebten sie sich. Sie konnten nicht Mit und nicht Ohneeinander. Das Miteinander hatten sie eine lange Zeit ausprobiert, natürlich hatten sie Streit und es gab Problem, aber alles in allem funktionierte es und sie waren sehr glücklich. Sie wusste nicht woher, doch sie wusste mit bitterer Gewissheit, dass es nun galt das Ohneeinander auszuprobieren. Sie würde ihren Weg gehen und er den seinen und wenn sie zusammen gehörten, ja wenn es so sein sollte, dann würden sich ihre Pfade wieder Kreuzen und sie würden zusammen bleiben. Und wenn nicht… Nun daran wollte sie gar nicht denken. Trübsal zu blasen war nicht ihre Art, sie war die die Zuerst handelte und sich dann, wenn sie wirklich alles versucht hatte, der Trauer hingab.
Zielstrebig machte sie sich auf den Weg. Sie wusste zwar nicht wie beschwerlich dieser sein würde und wohin er sie führen würde, doch sie wusste was sie wollte. Ihn. Sie war sich noch nie in einer Sache so Sicher gewesen. Und sie würde alles dafür geben um ihr Ziel zu erreichen. Auf ins Ungewisse.
Die Landschaft war so Friedevoll, bereits nach einigen Metern endete die Kreuzung abrupt, und machte einem wunderschönen Feldweg Platz.  Die lachende Sonne schien auf ihre Haut, die Blumen tanzten, in all ihrer Pracht und Vielfalt am Wegesrand. Eine versuchte die Andere zu übertrumpfen, versuchte höher zu wachsen und schöner zu sein als ihre Nachbarin. Am Ende des Weges begann ein kleines Wäldchen. Sie ging darauf zu, es rief nach ihr, einen anderen Weg gab es nicht.
Sie kam immer tiefer in den Wald fort vom Wegesrand, doch sie merkte es nicht. Sie kämpfte sich durch das Gestrüpp und als sie zurückblickte sah sie den Weg kaum noch. Sie Drang immer tiefer ein in das Herz des Waldes, wie magisch angezogen von einer alten Buche die ihre Geschichte erzählte. Langsam ließ sie sich an ihrem Stamm sinken um eine kurze Rast einzulegen und dann wieder den richtigen Weg zu suchen. Alt und beständig war die Buche. Stark wie ein Fels in der Brandung. Verbunden mit der Erde. Sie dachte sich was für ein kraftvoller Trostspender sie war, sie hatte sich schon immer sehr verbunden mit der Natur gefühlt.
Doch sich von dem Kraftspendenden Baum trösten zu lassen, sich einfach dem flüstern des Windes hinzugeben… So verlockend der Gedanke auch war, Sie musste weiter, sie musste ihn erreichen. Zurück zu dem Weg der hoffentlich zurück zu ihm führte. Die klaffende Wunde in ihrem Herzen ließ sich nur durch ihn schließen, doch dazu musste sie ihn erreichen. Warum sie sich getrennt hatten wusste sie nicht, im Moment war es auch nicht von Belangen.
Sie irrte durch den Wald, wie lange genau wusste sie nicht mehr. Hier in dem Wald, in dem alles in einem unwirklichen grünen Licht lag, schien es keine Zeit zu geben. Es hätten Minuten sein können, aber auch Stunden.
Sie war müde, so unheimlich Müde. Ihre Beine waren wie Blei ihre Lider schwer und der Wald schien kein Ende zu nehmen. Langsam befürchtete sie das es gar kein Ende gab. Sie verwarf den Gedanken sofort wieder, das war lächerlich, selbstverständlich gab es ein Ende und sie würde es früher oder später auch finden. Doch erst mal musste sie sich ausruhen, sie musste einen klaren Kopf bekommen doch ihre Müdigkeit stand ihr im Weg. Nach einer ordentlichen Mütze Schlaf würde sie viel besser vorankommen. Links von ihr war ein einigermaßen ebener Fleck, sie legte sich hin, rollte sich wie eine Katze zusammen und schlief ein.
Als sie erwachte war es Stockfinster in dem Wald, sie dachte zuerst daran hier zu warten bis die Sonne aufging und sie in dem grünlichen Licht weitermarschieren konnte, aber sie hatte schon lange genug getrödelt. Sie musste weiter, sonst verpasste sie ihn noch. Voller Verzweiflung und Angst lief sie weiter. Sie lief und lief immer weiter, geradeaus ohne zu gucken wohin sie ging. Hauptsache weiter.
Sie sah einen Schein, ein Licht, zwar war es noch weit entfernt und sehr schwach, doch sie schöpfte neue Hoffnung. Sie ging darauf zu, wurde immer schneller, begann sogar zu rennen. Sie stolperte oft und fiel hin, schürfte sich die Knie und Ellbogen auf und hatte mehrere Holzsplitter in den Füßen. Doch vor Aufregung und im Taumel der Hoffnung spürte sie den Schmerz nur wie durch eine dicke Watteschicht. Dass sie bereits blutete und ihren Weg dadurch mit roten Flecken auf dem Boden und an den Bäumen zeichnete, bemerkte sie nicht. 
Endlich erreichte sie die Lichtung von der das Licht kam. Eine Lichtung! Das war die erste die sie an diesem gottlosen Fleck gesehen hatte. Und sie erstarrte. Sie traute ihren Augen nicht. Vor ihr war ein  See, mit so klarem Wasser das man bis auf den Grund sehen konnten. An seinem Ufer sprossen die schönsten Blumen, in Farben die sie noch nie zuvor gesehen hatte. Und eine himmlische Melodie, zart und glockenklar erklang aus seiner tiefe, die perfekt mit dem leisen Plätschern des Wassers  harmonierte. Der silbrige Schein, dass Licht das sie an diesen wundervollen Ort geführt hatte, schien auch aus dem Gewässer zu kommen, als beherbergte es den Mond in selbst. Doch diese unvorstellbare Schönheit war es nicht die sie nach Atem schnappen lies. Der Glanz dieses Ortes war nicht schuld daran, dass ihr Tränen der Freunde in die Augen stiegen um dann aus ihren Augenwinkeln über ihre zerkratzten schmutzigen Wangen zu  laufen. Der Grund für das alles war, dass sie ihr Ziel erreicht hatte. Endlich. Mitten auf dem Wasser stand er. Anmutig, so schön wie eh und je und er sprach zu ihr mit seine rauen Stimme, die sie so sehr liebte : „Komm her zu mir, Liebste. Komm mein Engel!
Seine Stimme hallte unnatürlich auf der Lichtung und klang seltsam fern, doch das fiel ihr nicht auf. Sie rannte auf den See zu und stürzte sich ohne Bedenken hinein. Gleich war sie bei ihm. Sie zog eine rote Spur hinter sich her. Sie schwamm voller Eifer, noch zwei kraftvolle Schwimmzüge, dann hatte sie ihn erreicht. Doch plötzlich konnte sie sich nicht mehr Bewegen. Es war wie am Anfang ihrer Reise als sie ihn gehen lassen musste, als ihr Körper ihr nicht mehr gehorchen wollte und sie nur zusehen konnte. Sie schrie innerlich auf. Wieso jetzt, so kurz vor ihrem Ziel. Sie strengte sich an, sie versuchte krampfhaft wieder die Kontrolle über ihren geschundenen Körper zu erlangen doch ohne Erfolg. Sie versank, ihre Lungen füllten sich mit Wasser und brannten höllisch. Sie fühlten sich an als ob sie zerreißen würden. Automatisch schnappte sie nach Luft und noch mehr Wasser lief in ihre Lungen. Sie hatte die Kontrolle wieder, doch nun war sie zu schwach um an die Oberfläche, zu ihm, zu schwimmen .Der See war so klar und sie sah ihn während sie versank. Wie er über ihr stand, den Arm nach ihr ausgestreckt, den Mund zu einem stummen Schrei aufgerissen. Ein silbriger Schleier legte sich über alles, der dann zu einem strahlenden Licht wurde. Sie hörte auf zu kämpfen und gab sich dem Licht hin.
Der EKG gab einen langen Piep Ton von sich und die gezackte Linie, die den Herzrhythmus anzeigte wurde zu einem Geraden Strich. Dunkle Augenringe gaben einen Hinweis darauf wie lange er schon nicht mehr geschlafen hatte. Er weinte nicht, das tat er nie. Er war nie der Typ gewesen der Gefühle zeigte. Doch innerlich zerbrach etwas in ihm. Sein Herz zerriss und seine Seele gefror. Mit gesenktem Kopf verließ er das Krankenhaus und er fragte sich nur warum. Sie hatte den schweren Autounfall, bei dem sie mit einem LKW zusammengestoßen war überlebt. Sie lag drei Wochen im Koma, jeden Tag saß er an ihrem Bett und hatte ihre Hand gehalten und er wusste das sie darum gekämpft hatte ins Leben zurück zu kehren. Er kannte sie, sie kämpfte immer bis zum bitteren Schluss, doch nun hatte sie verloren, endgültig. Und er fühlte er sich wie ein Ertrinkender ohne Hoffnung auf Rettung.