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08 Juli 2010

Die da draußen

Die Idee für diesen Text kam ganz spontan, gestern Abend im Bett. Ich konnte nicht einschlafen und habe meine Gedanken schwelgen lassen und nun habe ich auch wieder ein dutzend Ideen. Naja lest und seht woran ich Abends vor dem Einschlafen so denke.


Ich wachte auf. Wie viele Tage war ich hier nun schon? Ein? Zwei? Oder doch schon eine Woche? Der Raum war ganz weiß, komplett steril. In der Ecke lag eine Matratze und die Wände waren gepolstert. Sonst war hier nichts. Nichts, außer mir und ihr natürlich.
Und noch jemand war da. Ich sah sie zwar nicht aber ich wusste, dass sie da waren. Nicht in dem Raum. Davor. Draußen.
Die da draußen hatten mich mir ihr, hier rein gesperrt und beobachteten mich. Die da draußen hatten mich in diese Jacke gesteckt, sodass ich mich nicht gegen sie wehren konnte.
Die da draußen konnten keine Menschen sein. Nein. Zu so etwas grausamen konnten Menschen doch nicht in der Lage sein.
Das waren Monster, Aliens aus fremden Galaxien. Menschen waren zu so etwas schrecklichem nicht in der Lage. Das konnte einfach nicht sein. Ich war schließlich selbst ein Mensch. Warum hatten die da draußen mich hier eingesperrt? Und dann auch noch mit ihr? Sie beobachteten mich das wusste ich, aber wieso? Amüsierten sie sich? Ergötzten sie sich an meinem Leid?
Es war alles schon schlimm genug, bevor ich hier in diesem Raum war, mit gefesselten Armen. Da draußen in meinem normalen Leben, hat sie mir immer aufgelauert. Hat mir gedroht, mich gejagt und wenn sie mich bekam schlug sie mich und lachte mich aus. Aber dort konnte ich mich wehren. Ich konnte wegrennen.
Aber hier. Hier war ich ihr ausgeliefert. Hier musste ich alles, jede Pein, über mich ergehen lassen. Und die da draußen sahen zu.
Durch den Schlitz in der Tür wurde Essen hinein geschoben. Sie waren Krank! Sie sorgten dafür, dass ich nicht verhungerte oder verdurstete. Damit ich länger aushielt. Damit sie mich länger quälen konnte.
Ich wollte das nicht mit mir machen lassen. Ich wollte verhungern. Aber mein Magen trieb mich immer wieder dazu, über das Tablett herzufallen wie ein Tier.
Was war ich? War ich ein Versuchskaninchen? Teil einer Kranken Reality-Show? Oder hielten die da draußen mich als ihr Haustier und kamen, wenn sie Langeweile hatten.
Ich schlang mein Essen herrunter. Schnell solange sie noch schlief. Wenn sie schlief, verschwand sie einfach. Wahrscheinlich, holten die da draußen sie hier raus. Damit sie nicht verrückt wurde. Oder sie versteckte sich. Um mich in Sicherheit zu wiegen. Aber das funktionierte nicht. Denn ich wusste, dass sie wieder auftauchen würde.
Mit dieser verdammten Jacke musste ich mich wirklich wie ein Tier über den Teller beugen. Als ich fertig mit dem Essen war, war mein ganzes Gesicht verschmiert. Ich kroch zurück auf die Matratze. Gleich würde sie kommen. Und die da draußen würden uns beobachten. Ich machte mich ganz klein.
Und wartete. Und wartete. Und wartete.
Und sie kam. Wie ich sie hasste. Dieses Mädchen. Warum nur ich? Wieso quälte sie mich, und nicht jemand anderen? Sie stand in der anderen Ecke des Raumes. Noch weit entfernt. Aber sie kam näher. Ihr eines Bein zog sie unnatürlich hinterher. Als sei es gebrochen. Sie war blass, ihre Haut war beinahe schon durchscheinend. Überall hatte sie Wunden und Kratzer und ihre Blöße wurde nur durch ein zerrissenes, schmutziges, graues Kleid bedeckt, das einst wahrscheinlich weiß gewesen war. Ihr langes Schwarzes Haar hing bis zu den Knospengroßen Hügeln, die ihre kindlichen Busen darstellten. Das Mädchen war geschunden, doch das schlimmste war ihr Blick.
Er war wirr, voller Hass und Neid auf alles was lebte. Und immer, immer wieder verzog sie die rissigen Lippen, wobei diese aufplatzten und zu bluten begannen, zu einem hämischen Grimasse. Der Anblick war furchtbar. Sie sprach nie. Das musste sie nicht. Ich wusste auch so was sie wollte.
Sie kam immer näher. Ich konnte nichts tun. Konnte nicht wegrennen. Konnte nicht um mich schlagen. Ich konnte nur hier in der Ecke sitzen, die Augen schließen, mich zusammenrollen und auf sie, und die damit verbundenen Schmerzen und Ängste, warten.
Und das tat ich. Eine ganze Weile. Ich hörte ihren röchelnden Atem, als bekäme sie schlecht Luft. Sie musste genau vor mir sein. Langsam und vorsichtig hob ich den Blick. Dort stand sie. Sie sah auf mich herab. Grinste mich an, mit Blut am Kinn. Langsam hob sie eine Hand. Sie streckte sie nach mir aus. Gleich würde sie mich schlagen. Ich zog den Kopf ein. Doch, der Schlag kam nicht
Ich sah wieder hoch. Ruckartig, legte ihre kleine Kinderhand direkt auf mein Gesicht. Sie war eiskalt. Und die Kälte zog sich durch jeden Faser meines Körpers. Mit einem Mal spürte ich all ihre Empfindungen. Angst, Enttäuschung und Verbitterung. Und am schlimmsten war der Zorn. Der reine Blinde Zorn auf alles Lebende. Nur Kinder waren in der Lage bedingungslos zu Hassen und zu Lieben. Ich wusste nicht, was ihr angetan wurde, aber es musste grausam gewesen sein. Ihr schrilles Lachen durchbrach die Stille. Sie genoss es, zu sehen wie ich unter den Gefühlen, die sie mir gab zusammenbrach. Und ich schrie. Ich schrie vor blinder Angst.

Und die da draußen sahen nur eine psychisch kranke Frau, die in der Ecke der Gummizelle saß. Mit einer Zwangsjacke. Sie sahen nur eine Kranke Frau, allein in einem weißen Raum, die schrie und schrie und schrie.

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